Bodi Bill – 28.10.19

In Konzerte von Martina

Welch eine Überraschung! Nach sieben langen Jahren kehren Bodi Bill zurück. Ein Trio, das sich 2005 in Berlin gegründet hat, drei Longplayer und etiche Singles sein Eigen nennen kann. Doch so gar nichts haben die Drei natürlich nicht gemacht. Fabian Fenk und Anton Feist riefen The/Das ins Leben und Alex Stolze blieb dem synthetischen Sound treu und musizierte mit der Electronic-Formation UNMAP.

Im Jahr 2019 geben die Drei ein neues Lebenszeichen von sich und veröffentlichten im Frühjahr den ersten neuen Song „Kiss Operator“. Mit „What If“ folgt der zweite Einblick in die neuen Arbeiten, die sich im typisch melancholischen Bodi-Bill-Stil darstellt, und zuletzt der Dancetrack „Better Than Reality“.

Im Herbst ist es dann soweit und die Berliner stehen an einem kühlen Oktobertag in Shorts auf der Bühne. Aber was ist denn hier los, wo bleiben denn die Leute? Nun ja, Bodi Bill freuen sich, dass es überhaupt jemand erfahren hat, dass sie heute hier in Dortmund spielen. Der Show jedenfalls tut es keinen Abbruch. Die Drei machen keinen Unterschied, ob sie vor 700 oder einen zweistelligen Publikum auftreten. Die Fans des Trios freuen sich nach all den Jahren auf ein, sagen wir mal, lockeres Privatkonzert.

Das bunt-charmante Konzert beginnt ohne Stimme. Frontmann Fabian wartet neben der Bühne, solange seine beiden Kollegen das lange Intro in schummeriger Beleuchtung zum Besten geben. Die beatigen Takte werden schneller und spiegeln die Bewegungen auf der Bühne wilder. Im roten Jackett zu Sportshorts mit passenden roten Socken zappelt und tanzt Fenk seine eigenwillige Performance. Manchmal wird der großzügig geräumige Teil vor der Bühne ebenfalls mit genutzt.

Trotz der intimen Atmosphäre springt der Funke nicht ganz über und das Publikum scheint weit weg zu sein. Auch wenn der Sänger mit der Nebelmaschine in der Hand den Raum mächtig mit Rauch füllt und die Anwesenden einnebelt, hält sich die Euphorie in Grenzen. Nachdem auf Wunsch des Künstlers die Klimaanlage ausgeschaltet wird, geht es auf der Bühne mit dem großartigen Elektromix schweißtreibend bzw. melancholisch weiter. Songs wie „One Or Two“ oder „I Like Holden Caufield“ funktionieren live immer und versetten kurzzeitig auch das eher ruhige Publikum zur Bewegung. Auf ein Stück Vergangenheit in Form des Covers „Nothing Compares 2 U“ verzichten die Berliner auch nach ihrer Pause nicht.

Den Vortritt allerdings lassen die Herren einer jungen Dame. Odd Beholder aus der Schweiz unterhält heute ohne Bandbegleitung im Alleingang das übersichtliche Publikum im Dortmunder FZW. So leise ihre Töne durch den Raum gleiten, so sacht und behutsam nehmen es die Besucher auf. Etwas lauter wird es nur, wenn ein Song applaudiert wird. Die Musikerin erzählt kleine Gesichten zu ihren Songs und erklärt den Inhalt dazu. Das einzige Instrument was heute Abend live gespielt wird, ist eine Gitarre, die nur für ein paar begleitende Melodien und Riffs zum Einsatz kommt. Die restliche synthetische Unterlage wird per Fussklick von Daniela Weinmann gesteuert. Die minimale Instrumentierung wird mit gehauchtem, feinsinnigen Gesang geschmückt. Die Songs, die sie singt, stammen von ihrem Debütalbum „All Reality Is Virtuel“, welches sich traurig aber wahr mit der Offline- Einsamkeit beschäftigt. Aber so ist das heute, das Leben ändert sich und die Lebensweise der Menschen auch. Musik verbindet und bringt eine kleine Gruppe Menschen zusammen.

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