Talisco – Capitol Vision

In Reviews von Eric

Der Franzose Jérôme Amandi alias Talisco fühlte sich musikalisch schon immer mehr als Weltbürger denn der großen Tradition seines Heimatlandes verpflichtet – sein Debütalbum „Run“ klang dann auch sehr global. Nun scheint Amandi eine (zwischenzeitliche) Heimat in Los Angeles gefunden zu haben, von wo er im Opener seines Zweitwerks auch gleich einen Kuss schickt. Und spielt der Titel des Albums nicht auf den ikonografischen Capitol Records Tower in L.A. an, der schon in Filmen wie „Earthquake“ und „The Day After Tomorrow“ fotogen zerstört wurde?

Jedenfalls finden sich nun auch Einflüsse von kalifornischem Pop und Rock in Taliscos dreamy Folktronic-Sound, von den Beach Boys über AOR bis hin zu hispanischem Drama-Pop. Da verleiht den Stücken wahlweise mehr Schmelz oder mehr Bumms. „A Thousand Suns“ gibt sich theatralisch mit Bläsern und Piano, tänzelt dann aber im Refrain leichtfüßig über den Sunset Boulevard. „Monsters And Black Suns“ führt die Eagles mit Woodkid zusammen, „Shadows“ ist ein Stadionpop-Song, wie man ihn früher von Robbie Williams kannte, „Loose“ fährt mit Tempo auf Rollschuhen die Strandpromenade von Venice Beach entlang, „Sitting With The Braves“ erkundet David Lynchs dunklen Mulholland Drive.

Wo „Run“ es manchmal jedem Recht machen wollte, greift „Capitol Vision“ nun beherzter zu, ist abwechslungsreich, aber meist auf den Punkt. Das Großdenken scheint Talisco in Los Angeles wirklich gelernt zu haben.

Tracklisting

  1. A Kiss From LA
  2. Thousand Suns
  3. Monsters And Black Suns
  4. Shadows
  5. Before The Dawn
  6. Loose
  7. Stay
  8. Sitting With The Braves
  9. The Martian Man
  10. Behind The River
  11. The Race

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