Stephen Malkmus – Traditional Techniques

In Reviews von Alfie

Stephen Malkmus ist nicht weniger als eine Legende der Rockmusik. Mochte man zu seinen Pavement-Zeiten nicht immer mit seinem verschrobenen Songwriting, den schiefen Stimmen und Gitarren mitgehen, war man seinerzeit wohl eher kein Fan von Alternative-Rock der etwas schmuddeligen Art. Immer etwas drüber, nie im Takt, stets auf Wegen, die später zu Pfaden werden sollten, die Tausende, wenn nicht Millionen von Indie-Fans nach ihm beschritten. Das frühe Werk des Stephen Malkmus ist heute Referenz, wenn man über gute Plattenschränke spricht, so denn es sie überhaupt noch gibt.

Nach der Zusammenarbeit mit Radiohead-Produzent Nigel Godrich auf dem letzten Pavement-Album „Terror Twilight“ von 1999 ging Malkmus seinen eigenen Weg und entwickelte sein Solowerk konsequent, aber organisch weg vom Soundgerumpel seiner Kapelle, die seitdem nur noch für rare Livegigs zusammen kommt, hin zu dem nun vorliegenden neuen Album „Traditional Techniques“. Und um es vorweg zu nehmen: es ist ein wunderschönes Album geworden.

Der Titelsong „ACC Kirtan“ ist ein Kniefall vor den Indien-Klängen eines George Harrison. Elegische sechs Minuten voller Sitar-Klänge, verhallter Stimmen, Frauenchöre und äußerst geschmackvoller Gitarren. Malkmus selbst sieht diese Platte auf die Folk-Wand zugehen, die er jedoch nur betrachtet und dann weiter wandert. Klar, es ist eher ein Werk, das in seiner Tiefe den Geist von Songwritern wie den genialen Chad vanGaalen aus der Flasche lässt, und wer hier und dort immer wieder an die Fleet Foxes denken muss, irrt nicht. Sehr sehr viele Akustikgitarren sind dort, wo früher bei Malkmus die verstimmte E-Gitarre nach Luft schnappte.

Natürlich, wer den Vergleich zwischen Malkmus’ erster selbstbetitelter Platte und „Traditional Techniques“ anstellt, erkennt, wie tief, dunkel und gereift seine Stimme geworden ist. Er emanzipiert sich vom eigenen Frühwerk. Er ist Mann geworden und nicht mehr der Post-Teenager, der er lange noch blieb. Textlich immer noch raffiniert, vom Gitarrenwerk an Elliot Smith („Flowin’ Robes“) erinnernd und wahrhaftig erwachsen zu diesem Endvierziger, der sich mit seinen Songs treu bleibt, aber dennoch auf seiner Reise durch sein Musikerleben weiterhin lieber jeden Stein auf der Suche nach Fortschritt und Reinheit seiner Ideen umdreht, statt sich zu wiederholen. Man muss es so klar ausdrücken: so hat Malkmus noch nie geklungen!

Und zwischen Flöten, japanischen Saiteninstrumenten, Szenerien wie in verrauchten Bars diverser Truckerfilme („Brainwashed“) und jazzigen Drums erkennt man immer wieder, was für ein Wegbereiter Stephen Malkmus für Bands wie Grandaddy, Gitarristen wie Jonny Greenwood und unzählige Songwriter war, ist und hoffentlich immer sein wird.

Tracklisting

  1. ACC Kirtan
  2. Xian Man
  3. The Greatest Own In Legal History
  4. Cash Up
  5. Shadowbanned
  6. What Kind Of Person
  7. Flowin‘ Robes
  8. Brainwashed
  9. Signal Western
  10. Amberjack
  11. Juliefuckingette

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