Kele – 2042

In Reviews von Eric

Nachdem Kele Okerekes letztes Album „Fatherland“ ausnahmsweise unter seinem vollständigen Namen erschien, kehrt er für „2042“ wieder zum gewohnt kurzen Kele zurück, unter dem der Bloc-Party-Sänger bisher seine Solowerke veröffentlichte. Und auch den akustischen Funk/Soul des seiner Tochter gewidmeten Vorgängers lässt der Brite mit nigerianischen Wurzeln hinter sich und gibt sich wieder beatlastiger. Denn Kele ist ziemlich angepisst von den derzeitigen Zuständen.

Angeführt wird die LP von der von afrikanischem HipHop beeinflussten Single „Jungle Bunny“, über die der Musiker sagt: „Als farbiger Mensch, der in der westlichen Gesellschaft lebt, ist es vollkommen egal, wie viel Reichtum du anhäufst: Das Rassenthema verfolgt dich überallhin. Mit ‘Jungle Bunny’ wollte ich genau dieses Thema beleuchten: Welche Aufgabe, welche Verantwortung hat man als schwarzer Entertainer in einer Zeit, in der öffentlicher Rassismus und spalterische Tendenzen dermaßen um sich greifen?“

Kele ist nicht nur in diesem Song, sondern auf dem kompletten Album sehr „woke“, indem er politische und soziale Ereignisse und Erlebnisse aufgreift, bei der vor allem der zunehmende Rassismus und die durch den Brexit ausgelöste Spaltung in seinem Heimatland im Mittelpunkt stehen. Die Stücke sind emotionale Schnappschüsse einer Gesellschaft in Aufruhr und erinnern dabei stark an Bloc Partys Ostlondon-Konzeptalbum „A Weekend In The City“. Auch beim Sound gibt es Ähnlichkeiten: „2042“ hat einen dunklen, sehr urbanen Klang an sich. Die Einflüsse sind jedoch vielfältiger und werden – meist auf einem elektronischen Beat basierend – amalgamiert, von Grime und HipHop über Indierock und Elektro-Sounds bis zu den Musiken der verschiedenen Einwanderer-Communities. „There’s an new wave on the way, there’s a new mood on the street“, klagt Kele in „Let England Burn“, um dann zu fordern: „Let England burn so we can start again.“

Die wiederkehrenden Anspielungen auf Gott kann man mögen oder nicht, aber sie lenken weder von den wichtigen, wütenden Texten Keles ab noch von seiner reichhaltigen, vielfältigen Musik, die vom Clubtrack bis zur Ballade alles bietet.

Tracklisting

  1. Jungle Bunny
  2. Past Lives (Interlude)
  3. Let England Burn
  4. St Kaepernick Wept
  5. Guava Rubicon
  6. My Business
  7. Ceiling Games
  8. Where She Came From (Interlude)
  9. Between Me And My Maker
  10. Natural Hair
  11. Cyril’s Blood
  12. Secrets West 29th
  13. Catching Feelings
  14. A Day Of National Shame (Interlude)
  15. Ocean View
  16. Back Burner

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