Juse Ju – Millennium

In Reviews von Wolf

Juse Ju ist sowas wie der sympathische Schwiegersohnrapper, den man aber nicht zu leicht nehmen sollte. Er hat es selbst ja schon am besten gesagt: eine Mischung aus Blumentopf und Aggro Berlin. Von den einen Text und Flow, von den anderen die Beats; hier und da kann man auch noch etwas Mittekill heraushören.

Auf seiner neuen, selbst verlegten Platte „Millenium“ reflektiert er seine eigene Entwicklung und die des HipHops nach der Jahrtausendwende. Nachdem es auf seiner 2018er Platte „Shibuya Crossing“ um seine Teenagerzeit in den 90ern ging, eine logische Entwicklung. Uhuuu, der privilegierte, weiße Twen, der einen Großteil seines Lebens in Japan verbringen musste, jammert rum; könnte man denken. Doch Ju erzählt nüchtern und locker Geschichten, wie sie halt waren, und in denen man sich wiederfindet. Und die sind ja nicht nur negativ.

Mit „Model in Tokio“ schreibt er eine wunderbar melancholische Hymne darauf, dass jeder glänzen kann, wenn er nur die passende Umgebung für sich findet (die auch gut als Disstrack funktioniert). Zusammen mit Milli Dance von Waving The Guns gibt es mit „Edgelord“ auch noch einen tollen politischen Battletrack. Eine gelungene Mischung aus Aggressivität, Posertum, Nostalgie, Verbitterung und Augenzwinkern.

Nach dem bisherigen Muster müsste es auf der nächsten Platte dann um seine ersten Erfolge im Business gehen. Da sind wir gespannt drauf.

Tracklisting

  1. Kranich Kick
  2. Millennium
  3. Sayonara
  4. Claras Verhältnis
  5. Edgelord
  6. TNT
  7. Ich hasse Autos
  8. MTV’s most wanted
  9. Model in Tokyo
  10. Unter der Sonne

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