Honig – The Last Thing The World Needs

In Reviews von Jule

Vier Jahre mussten sich Liebhaber auf neue Musik der Band Honig gedulden, die sich nun mit ihrem vierten Studioalbum The Last Thing The World Needs zurückmeldet. Lange war es still um Namensgeber Stefan Honig, der sein Bandprojekt zwar ruhen ließ, in der Zwischenzeit aber dennoch nicht untätig war. So konnte man ihn als Teil der Super-Folk-Group Tour Of Tours (mit Tim Neuhaus, Town of Saints, Ian Fisher und Jonas David) erleben, mit der er Anfang dieses Jahres auf erneute Deutschlandtour ging, oder ihm bei kleineren Akustikkonzerten lauschen, die er im Vorprogramm von Musikerkollegen wie Hello Piedpiper oder der australischen Künstlerin Phia zum Besten gab.

Doch nun gibt es endlich neuen, puren Honig. Und er scheint Gefallen gefunden zu haben an der Zusammenarbeit mit seinen Musikerfreunden. Waren seine ersten beiden LPs „Treehouse“ (2007) und „Empty Orchestra“ (2012) noch intime Singer/Songwriter-Alben mit viel akustischer Handwerkskunst und noch mehr Fingerspitzengefühl, verbirgt sich hinter Honig mittlerweile eine fünfköpfige Band, deren Zusammenspiel einen deutlichen Einfluss hat. Wie auf der Vorgängerplatte „It’s Not a Hummingbird It’s Your Father’s Ghost“ (2014) ist Honigs Musik mit voller Bandbesetzung abwechslungsreicher und voluminöser.

Schon der imposante Eröffnungstrack „Avalanche“ macht es vor, welcher ordentlich an Fahrt aufnimmt, bis Backgroundchöre einsetzen: Diese Platte ist bombastischer angelegt, als man es vielleicht erwartet hätte, und überrollt den Zuhörer wie die besungene Lawine des Openers. In diesen Bombast reihen sich auch Songs wie „Boulders“ oder „Counterfeit Gallery“ ein, die erste Single-Auskopplung. Wunderbar eingängige Melodien, Handclaps und abermals Backgroundchöre. Diese neue Vielschichtigkeit macht Spaß und steht Honig gut zu Gesicht (Anspieltipp: „Handshake Is A Contact Sport“). Wem das als Zuhörer jedoch zu bunt wird und wer den „alten“ Honig vermisst, kommt ebenfalls in seinen Genuss. An die Anfangszeit erinnern beispielsweise die reduzierteren Kompositionen in „It’s Never The Wrong Time To Sleep“ oder „Mrs. Vertigo“. Apropos „Sleep“, auffallend oft wird vom Schlaf gesungen – war Stefan Honig beim Songschreiben möglicherweise müde, so ist davon beim Produzieren der Musik nicht mehr viel übrig geblieben.

Dieses vierte Album lebt von einprägsamen Melodien und liebevoll ausgetüftelten Arrangements, die weit komplexer sind als frühere Akustikgitarrenkompositionen. Und über alles legt sich die Wahnsinns-Stimme von Stefan Honig, die sich der Gefühlslagen der einzelnen Songs annimmt, sie mal leicht mitsäuselt oder einem ein andermal voller Pathos entgegenruft und die Gefühle der Songs bis an das Ohr des Zuhörers transportiert (und auch wenn von Schlaf die Rede ist, zum Einschlafen ist dieses Album weniger geeignet als seine Vorgänger).

Tracklisting

  1. Avalanche
  2. Alone At The Party
  3. Counterfeit Gallery
  4. Under Your Thumb
  5. The Polyester Road
  6. It’s Never The Wrong Time To Sleep
  7. Boulders
  8. Handshake Is A Contact Sport
  9. Mrs. Vertigo
  10. Anteater
  11. Comic Relief

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