Depeche Mode – Spirit

In Reviews von Eric

Für die Besprechung des neuen Depeche-Mode-Albums ließe es sich zu Anfang trefflich über die mehr als 35-jährige Bandgeschichte auslassen. Über die 13 Alben und die musikalische Entwicklung. Über den bis heute großen Einfluss des Trios auf neue Künstler und den anhaltenden Erfolg. Sogar über die schwierige Beziehung von Dave Gahan, Martin L. Gore und Andrew Fletcher untereinander. Man kann es aber auch lassen und sich einfach auf die Musik von „Spirit“ konzentrieren.

Das nun 14. Album der Briten bietet den Sound, den auch der nicht mit der kompletten Diskografie vertraute Hörer beim Namen Depeche Mode erwarten würde – geschichtete, getürmte Elektronik und Synthesizer, kalt und tiefschneidend, mit Gore als Ein-Mann-Kraftwerk (Doppeldeutung beabsichtigt!) und Herr der Maschinen, dazu Gahans tiefer, bluesiger, immer höchst bedeutungsvoll klingender Gesang.

Dabei hat der Sänger – das war in den Jahren zuvor nicht immer der Fall – wirklich wieder etwas zu sagen. Trotz der bekannten Universalität der DM-Texte ist der Einfluss der aktuellen politischen Entwicklungen (Trump, Alt-Right, Populismus, etc.) ziemlich offensichtlich – nicht nur bei der Frage, wo denn nun der Aufstand der Anständigen bleibt („Where’s The Revolution“), sondern auch in der Erkenntnis, das technologische Entwicklung nicht unbedingt gesellschaftliche Entwicklung nach sich zieht („Going Backwards“), oder in der Untragbarkeit des US-Präsidenten („The Worst Crime“).

Zu den Lyrics passend schärft Produzent James Ford (Simian Mobile Disco) den DM-Sound, indem er die Songs gleichzeitig skelettiert und verstärkt. Wo „Going Backwards“ nur mit einem Beat, einem Klavier und Gahans Gesang dichteste Atmosphäre schafft, knurrt „So Much Love“ mit vielen Spuren gefährlich. „Cover Me“ baut sich in der Mitte des Albums in der es umgebenden Dunkelheit als der erlösende Pfad zum Licht auf, in dem es in der zweiten Hälfte auf Gesang verzichtet und nur die Synthesizer strahlen lässt.

Das beschriebene textliche und soundtechnische Niveau halten Depeche Mode nicht bei jedem Song durch, trotzdem ist „Spirit“ ein spätes Highlight in der DM-Diskografie. Das behaupte ich, obwohl ich nicht alle Alben kenne. Aber ich bin mir ziemlich sicher, rechtzuhaben.

Tracklisting

  1. Going Backwards
  2. Where’s The Revolution
  3. The Worst Crime
  4. Scum
  5. You Move
  6. Cover Me
  7. Eternal
  8. Poison Heart
  9. So Much Love
  10. Poorman
  11. No More (This Is The Last Time)
  12. Fail

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