Casper – Alles war schön und nichts tat weh

In Reviews von Eric

Kurzer Prolog: Kaum ein deutscher Künstler hat in den letzten rund zehn Jahren so viel Anerkennung und so viel Ablehnung auf sich vereint wie Benjamin Griffey alias Casper. Sein Major-Debüt „XOXO“ sollte quasi die Popmusik retten, indem es Indie und HipHop versöhnt. Doch weil gerade in diesen beiden Stilen der Dünkel regiert, stieß er dort auf wenige Freund*innen. Für die Indie-Nerds war er nicht puristisch genug, für die HipHop-Heads nicht real genug. Aber gerade weil das Album die Stile verband und eloquente, selbstreflektierte Coming-Of-Age-Stories erzählte, wurde es jenseits der Szene-Typen ein riesiger Erfolg. Das traf auch auf die beiden Nachfolge-LPs zu.

Und über was rappt/singt man nun, nach vier Alben und mit zunehmendem Alter? Klar, über Düsternis und Tod. Auf „Alles war schön und nichts tat weh“ – der Titel ist übrigens ein Zitat aus dem Roman „Slaughterhouse Five“ von Kurt Vonnegut – widmet sich der Bielefelder mentaler Gesundheit, öffentlicher Erwartungshaltung, Eifersucht, Krieg und PTSD, der schweren Krankheit eines Freundes, Klimakatastrophen und gesellschaftlicher Disruption. Also den ganz schweren Brocken. Als Ausgleich gibt es zumindest Songs über die Euphorie einer langen Feiernacht (das bratzende „Gib Mir Gefahr“ mit Kummer), die Zwiespältigkeit eines Booty Calls (das wütend-balladeske „Mieses Leben/Wolken“ mit Haiyti) und die Zweisamkeitsmagie einer Nacht (das summende „Euphoria“ mit Teute alias Arnim Teutoburg-Weiss von den Beatsteaks).

Das Album beginnt aber mit dem Titelstück, einem bombastischen Intro-Song, der die Themen und Stile anteasert, um die es im Folgenden geht. Musikalisch heißt das, dass alles irgendwie verbraten wird: Rap, Rock (von Post- bis Indie-), Trap, Pop, Punk, Gospel, Rave. Gekleidet in eine große, also GROSSE Produktion, die sich teilweise in Lärmwänden ergeht, verantwortet von der derzeitigen Indie-Allzweckwaffe am Mischpult, Max Rieger.

Casper setzt auch in „Alles war schön…“ auf die von ihm gekannte Überwältigungstaktik von Musik und Text, die manchmal übertreibt, aber auch viel Kraft entfaltet. Love him or hate him, ihm tut es nicht mehr weh.

Tracklisting

  1. Alles war schön und nichts tat weh
  2. Lass es Rosen für mich regen feat. Provinz & Lena
  3. TNT feat. TUA
  4. Billie Jo (Prelude)
  5. Billie Jo
  6. Zwiebel & Mett (Die Vergessenen Pt 3)
  7. Das Bisschen Regen (Die Vergessenen Pt 4)
  8. Wo warst du
  9. Mieses Leben/Wolken feat. Haiyti
  10. Gib mir Gefahr feat. Kummer
  11. Euphoria feat. Teute
  12. Fabian