Blondshell – Violins

In Reviews von Eric

Sabrina Teitelbaum alias Blondshell macht auf „Violins“ keine andere Musik. Noch immer knirschen die Gitarren, die Drums dürfen wuchtig nach vorne treten, und ihre Stimme klingt, als müsste sie sich gegen die eigene Begleitband behaupten. Doch etwas hat sich verschoben: Wo die ersten beiden Alben ihre Verletzungen noch vergleichsweise direkt benannten, interessiert sich Teitelbaum inzwischen stärker für das, was zwischen den Dingen liegt. „Dieses Album hat eine gewisse Schwere“, sagt die Amerikanerin selbst. „Violins“ ist eine LP darüber, wie widersprüchlich das Leben sein kann, wenn Schmerz und Schönheit gleichzeitig existieren.

Schon der Titelsong macht diese Haltung deutlich. Zwischen schrammelnder Akustikgitarre, verzerrten Powerchords und einem aufbrausenden Refrain geht es um Geduld, Heilung und die Versuchung, alles möglichst schnell hinter sich bringen zu wollen. Der Titel „Violins“ ist dabei mehr als ein hübsches Wortspiel mit „violence“: Die Platte interessiert sich für die dünne Linie zwischen Zärtlichkeit und Aggression, Fürsorge und Verletzung, Hoffnung und Ernüchterung. Teitelbaum will diese Gegensätze allerdings nicht auflösen, sie lässt sie nebeneinanderstehen.

Auf „Heart Has to Work So Hard“ wird aus einem treibenden Rocksong eine erstaunlich komplizierte Betrachtung von Freundschaft, Konkurrenz und Verrat. „Lucky“ beginnt beinahe leichtfüßig, trägt aber eine dunklere Reflexion über Vergänglichkeit in sich. „Two Fried“ wiederum nimmt Körperlichkeit und Weiblichkeit mit einer Mischung aus Selbstironie und Trotz auseinander. Gerade darin liegt Teitelbaums Entwicklung als Songwriterin: Die Texte sind weniger Tagebuch und mehr Gedicht, weniger Beweisstück als Andeutung. Die Musikerin vertraut zunehmend darauf, dass ein Bild mehr offenlassen darf, als es erklärt.

„Es fühlt sich so an, als käme ich mit jedem Album, das ich mache, dem Werk, das ich wirklich erschaffen möchte, ein Stück näher“, erklärt Blondshell. Mit „Violins“ scheint sie aber schon sehr nah dran zu sein. Zwischen Post-Grunge, Alternative Rock und Indie-Pop gewinnt die Musik an räumlicher und emotionaler Tiefe und es entstehen Songs, die gleichzeitig groß und zerbrechlich wirken können.

Tracklisting

  1. Violins
  2. Heart Has To Work So Hard
  3. Lucky
  4. Sea Legs
  5. New Shape
  6. Stone Fruit
  7. Two Fried
  8. New Age Trojan Horse
  9. Knotted
  10. Reinstall
  11. Fur Elise