Brigitte Calls Me Baby – Irreversible

In Reviews von Eric

Auch auf dem zweiten Album der Chicagoer Combo Brigitte Calls Me Baby ist es die Singstimme von Frontmann Wes Leavins, die als erstes ins Ohr springt. Wenn man eine KI bitten würde, eine Stimme zu erschaffen, die wie eine Mischung aus Morrissey, Elvis Presley und Roy Orbison klingt, wäre höchstwahrscheinlich Leavins’ Organ das Ergebnis.

Es umweht „Irreversible“ nicht nur ein Wind der Vergangenheit, wie diese Stimme mit großer Geste und viel Pathos die Texte deklamiert, sondern auch, wie die Gefühle darin in Überhöhung und Tragik zur Alleingültigkeit gebracht werden – Liebe, Schmerz und Melancholie erhalten hier ein leidenschaftliches Gewicht, das nur die gesamte Welt tragen kann.

Musikalisch geht das Quintett von einer Basis von 80er-Klängen (Post-Punk, New Wave, New Romanticism) aus, deren Instrumenten zwischen Klarheit und Hall pendeln. Von dort aus werden die Band-Arme oktopusartig in verschiedene Richtungen ausgestreckt. Bei der rockigen Vorab-Single „Slumber Party“ darf die Gitarre schrammeln wie bei einer New Yorker Indie-Band aus den 00er Jahren. „I Danced With…“ umarmt The Cure so doll, dass die Schminke verschmiert. Bei „These Acts Of…“ verweben sich Synthesizer und Gitarren zu einer dunklen Decke wie bei den White Lies. Und bei „I Can Take The Sun Out Of Sky“ stellt sich passenderweise eine ungekannte, sonnige Lockerheit ein.

Der bestehenden Fanbase geben Brigitte Calls Me Baby mit „Irreversible“ neues Futter, das aber genug Punch um Ambition hat, um neue Anhänger*innen zu gewinnen. Die großen Hallen sind nicht mehr weit.

Tracklisting

  1. There Always
  2. Slumber Party
  3. I Danced With Another Love In My Dreams
  4. The Pit
  5. Truth Is Stranger Than Fiction
  6. These Acts Of Which Were Designed
  7. Sillage
  8. I Can’t Have You All To Myself
  9. I Can Take The Sun Out Of The Sky
  10. The Early Days Of Love
  11. Send Those Memories