Noel Gallagher’s High Flying Birds – Who Built The Moon?

In Reviews von Eric

„Who Built The Moon?“ ist das bisher experimentellste Album von Noel Gallagher – insofern, dass es sich am weitesten vom gitarrenbasierten, hymnischen Britpop-Sound entfernt, für den Gallagher seit Oasis-Zeiten steht. Hatte er auf den vorherigen High-Flying-Birds-Alben Veränderungen schon angestoßen und in gewissem Maße auch umgesetzt, stellt die dritte LP nun den Endpunkt dieser Entwicklung dar.

Wie polarisierend Gallaghers neue Vielfältigkeit wirkt, die er über Monate zusammen mit dem Produzenten und Filmmusik-Komponisten David Holmes in dessen Studio entwarf, zeigten bereits die Reaktionen auf die erste Auskopplung „Holy Mountain“, die wahlweise Vergleiche zu Roxy Music, The Vaccines, Showaddywaddy, Plastic Bertrand und Ricky Martin evozierte. Doch wo Bruder Liam mit seinem Solodebüt – durchaus charmant – in altbekannten Britpop-Gewässern fischte, wagt sich Noel mit 50 Jahren noch einmal aus der Komfortzone – und weiß damit (meist) zu überzeugen.

Die einzigen Oasis-Erinnerungen ruft Gallagher mit dem eröffnenden Quasi-Instrumental „Fort Knox“ hervor, dass in seiner Wucht an „Fucking In The Bushes“ erinnert, aber mit fernöstlich anmutenden Gitarrenloops, Afrobeat-Chören, einem Feueralarm und einer Wiedergängerin der Background-Sängerin von „Gimme Shelter“ ein weites akustisches Feld eröffnet, dessen Platz die nachfolgenden Songs auch zu nutzen wissen.

Oben schon beschriebenem „Holy Mountain“ kann man tatsächlich alle genannten Vergleiche irgendwie andichten, am meisten erinnert es jedoch an David Bowie in seiner Glamrock-Persona. Durch die entfesselten Bläser (und Paul Weller an der Orgel) erhält der Song einen unwiderstehlich euphorischen Groove. „Keep On Reaching“ liefert stampfenden Funk&Soul inklusive großartigem Gospel-Chor, „It’s A Beautiful World“ könnte aus einer Zusammenarbeit von The Chemical Brothers mit New Order entsprungen sein. Das hymnisch-schöne „She Taught Me How To Fly“, das ohne Strophe auskommt und nur aus Bridge und Refrain besteht, ist eine Liebeserklärung an Gallaghers Frau.

„Be Careful What You Wish For“ stapft als Noir-Blues durch einen Sumpf in Louisiana, „If Love Is The Law“ verbindet Western-Soundtrack-Melodie mit den psychedelischen Songs der Beatles. Der Titeltrack schließlich bewirbt sich als neuer James-Bond-Song.

„Who Built The Moon?“ eröffnet Noel Gallaghers musikalischen Horizont tatsächlich so weit, wie es das Cover verheißt. In den besten Momenten dieses Albums scheint es tatsächlich, als hätte er den Mond berührt.

Tracklisting

  1. Fort Knox
  2. Holy Mountain
  3. Keep On Reaching
  4. It’s A Beautiful World
  5. She Taught Me How To Fly
  6. Be Careful What You Wish For
  7. Black & White Sunshine
  8. Interlude (Wednesday Part 1)
  9. If Love Is The Law
  10. The Man Who Built The Moon
  11. End Credits (Wednesday Part 2)
  12. Dead In The Water(Live at RTE 2FM Studios, Dublin)

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