Liam Gallagher – As You Were

In Reviews von Eric

Nachdem Liam Gallagher 2014 die Quasi-Oasis-Fortsetzung Beady Eye beerdigte, musste man Schlimmes befürchten. Wird er als ewig grantelnde und halb betrunkene Karikatur seiner Selbst, die nur noch in den Klatschspalten vorkommt, enden? Doch auch nach der Ankündigung eines Soloalbums überwog die Skepsis, hatte Gallagher doch nie vollständig bewiesen, dass er ohne Unterstützung von Bruder Noel ein eigenständiger Künstler sein kann.

Um auf Nummer sicher zu gehen, tat sich Liam für „As You Were“ mit Songwriter Andrew Wyatt von Miike Snow und Produzent Greg Kurstin (Adele, Foo Fighters) zusammen. Das Ergebnis ist eine großmännische, charmante Platte mit melodischer Variation und interessanten Akkordstrukturen. Über allem schwebt natürlich Liams GOAT-Attitüde, doch wird sie auch vom korrespondierenden Songmaterial unterfüttert.

Mit „Wall Of Glass“ eröffnet gleich eines der besten Stücke das Album. Mit stampfendem Rhythmus, hypnotischem Gospel-Groove, einer heulenden Mundharmonika und einem Rolling-Stones-Feeling empfiehlt es sich als Instant Classic. „Greedy Soul“ überträgt einen Country-Rhythmus in Primal-Scream-Koordinaten, das folgende „Paper Crown“ ist eine reduziertes Down-Tempo-Stück mit prominenter Akustikgitarre und Beatles-Akkorden. „You Better Run“ reüssiert als honoriger Americana-Song, „Universal Gleam“ könnte sich zu einer großen Stadionballade entwickeln. Oasis am nächsten kommt der Mann aus Manchester in dem gitarrenschweren Rock’n’Roll-Stück „I Get By“.

Lyrisch gibt sich Gallagher ungewohnt nachdenklich und reumütig, kulminierend in der (auch an Bruder Noel gerichteten?) Balladen-Abbitte „For What It’s Worth“: „For what it’s worth, I’m sorry for the hurt. I’ll be the first to say I’d made my own mistakes.“ Und auch wenn nicht alle Songs komplett zünden – wodurch „As You Were“ letztlich überzeugt, ist Liams Performance. Seine Stimme hat so viel Punch, Soul und Direktheit wie seit Anfang der 2000er nicht mehr. Er hat für seinen Erstling seine eigene Melodiösität (wieder)gefunden, eine Lockerheit in den bekannten Worddehnungen am Ende der Strophen und sogar eine neue Sanftheit in seiner eigenen Falsettversion.

Auch mit inzwischen 45 Jahren kann und will Liam Gallagher immer noch als Projektionsfläche für die großen Rockstar-Träume dienen. Und mit einem guten Album mit sehr guten Momenten folgt man seinen Textzeilen nur zu gerne: „I’ll help you fix your broken dreams. I’ll give you something you can shout about. I won’t ever let you down.“

Tracklisting

  1. Wall Of Glass
  2. Bold
  3. Greedy Soul
  4. Paper Crown
  5. For What It’s Worth
  6. When I’m In Need
  7. You Better Run
  8. I Get By
  9. Chinatown
  10. Come Back To Me
  11. Universal Gleam
  12. I’ve All I Need

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