LCD Soundsystem – American Dream

In Reviews von Eric

Das hat James Murphy schon clever gemacht. Verkündet 2011 die Auflösung seines Bandprojekts LCD Soundsystem, verkauft zur Abschiedsshow den Madison Square Garden aus und macht daraus sogar noch einen Konzertfilm. Und dann, kurz vor Weihnachten 2015, gibt es plötzlich einen neuen Song. Und nun sogar ein neues Album. Alles geplant?

Er wolle mit 40 Jahren nicht mehr auf der Bühne rumhüpfen, lies Murphy, in der Erscheinung mit Bart und Bauchansatz schon immer eher der Anti-Star, damals zum Abschied wissen. Vielleicht sind die Bandscheiben doch noch gut genug in Schuss für eine LP und anschließende Tour. Oder vielleicht hatte er nach Heirat, Filmmusik und eigener Weinbar einfach wieder Bock auf LCD Soundsystem.

Dennoch besteht bei Comebacks immer die Gefahr, das eigene Denkmal zu beschädigen. Gerade bei der Brooklyner Band gibt es schon eine gewisse Fallhöhe, hatten sie doch Mitte der 00er Jahre mit „Sound Of Silver“ eine Dancepunk- wenn nicht gar Jahrzehnt-definierende Platte vorgelegt. Und auch die Cowbell verdankte ihr zu erheblichen Teilen ihren (Wieder-)Einzug in musikalische Sphären.

Auch auf Album Nr. 4, „American Dream“, klingen die New Yorker unverwechselbar nach sich selbst. Layer, Ausdehnung, Stoizismus, Polyrhythmik waren schon immer die Waffen der Wahl des LCD Soundsystems. Die Songlängen liegen auch diesmal bis auf eine Ausnahme jenseits der 5-Minuten-Grenze. Jedoch das Hektisch-Treibende, der Zug auf die Tanzfläche, der Stücke wie „All My Friends“ ausmachte, fehlt diesmal (genauso wie die Cowbell). Dafür stützt sich die Band auf wavige, postpunkige Versatzstücke, die eher wabernd als treibend daherkommen. Und auf David Bowie, bei dessen letztem Album Murphy an den Drums saß. Diese Verbindung lässt die Stücke manchmal etwas ins Ungreifbare abdriften. Die erste Hälfte von „How Do You Sleep“ beispielsweise erinnert an Brian Enos Ambient, dem noch ein paar vorsichtige Tribal Drums beigemischt wurden.

Doch in den entscheidenden Momenten bringen LCD Soundsystem die Songs genau auf den Punkt, wie in den zweiten Hälfte von „How Do You Sleep“, wenn ein kraftvoller Synthesizer eine ganze Marschkapelle imitiert. Oder „Call The Police“ sich zu einem dieser beiläufigen Dance-Monster aufschichtet. Oder „Emotional Haricut“ klingt wie die Talking Heads mit einem Extrakick.

Murphys gurgelige Lyrics schwanken zwischen gaga und Klugscheißer, zwischen altersweise und fatalistisch-apokalyptisch, wie in „Call The Police“: „We all know this is nothing, this is nowhere. We all know this nowhere, and there is no one here.“

„American Dream“ fasst noch einmal zusammen, was LCD Soundsystem definierte, nämlich Tanzbarkeit, Intelligenz, Aufregung. Und packt sie in eine abgeklärte, leicht nostalgische, weniger hibbelige Soundumgebung. So hat James Murphy einen guten Weg für das Altern im Pop gefunden.

Tracklisting

  1. Oh Baby
  2. Other Voices
  3. I Used To
  4. Change Yr Mind
  5. How Do You Sleep
  6. Tonite
  7. Call The Police
  8. American Dream
  9. Emotional Haircut
  10. Black Screnn

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