Feist – Pleasure

In Reviews von Eric

Von der Titel gebenden Freude ihrer neuen LP hatte Leslie Feist in den vergangenen Jahren eher wenig. Beziehung kaputt, Selbstbewusstsein angekratzt, Schaffenskraft mau. Doch nach längerer Zeit der Sinnkrise konnte sie die Arbeit an einem neuen Album auch zur Selbstreinigung verwenden. Oder in der Hoffnung auf eine selbsterfüllende Prophezeiung. „Ich habe es „Pleasure“ genannt, als würde ich eine Saatkorn pflanzen oder Helligkeit voraussagen“, erklärt sie.

Mit der Leichtfüßig- und Sorglosigkeit eines „1 2 3 4“ hat „Pleasure“ nicht viel gemein. Das Album ist dunkel und ernst, oft auch traurig. Aber nie hoffnungslos. Dazu passend spielt Feist eine alte E-Gitarre, die hörbar schon bessere Tage gesehen hat – das Instrument als Bild für das angeschlagene Seelenleben des Künstlers. Im Titeltrack darf diese Gitarre dann sogar einmal richtig wütend ausbrechen. Ansonsten regiert die formale bluesig-folkige Reduktion in den Stücken, die so organisch und unmittelbar aufgenommen sind, als würde Feist mit ihrer Gitarre im Raum nebenan sitzen und musizieren. Und es kommen mal ein Chor („A Man Is Not His Song“) oder Jarvis Cocker („Century“) vorbei.

Am Ende, wenn man Feist elf Songs lang durch ihre Gedanken und Gefühle gefolgt ist und ihrer wunderbaren Stimme gelauscht hat, weiß man: Die Freude kehrt zurück. Irgendwie, irgendwann. Aber sie kommt.

Tracklisting

  1. Pleasure
  2. Get Not High, Get Not Low
  3. Die Young
  4. Lost Dreams
  5. Any Party
  6. A Man Is Not His Song
  7. The Wind
  8. Century [feat. Jarvis Cocker]
  9. Baby Be Simple
  10. I’m Not Running Away
  11. Young Up

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