
Es ist Zeit, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass die Intention von Air noch Pop im Sinne von hitkompatiblen Songs sei. Zwar springt ab und zu ein kleiner Charterfolg für die beiden Franzosen heraus, auf Albumlänge jedoch haben sie sich schon längst in andere Galaxien verabschiedet. „Space Maker“ sind sie geworden und insofern dient der erste Song auf „Pocket Symphony“ als Wegweiser für all das, was in den folgenden 48 Minuten aus den Lautsprechern kriecht. Musik schafft Landschaften, generiert flächige Sounds, über denen in Zeitlupe die Einfälle und Experimente der Herren Godin und Dunckel passieren. Passieren, anders ist es kaum beschreibbar. Songstrukturen fahren die beiden aufs Minimalste zurück, Textfragmente werden mantrahaft wiederholt und entwickeln sich in einigen wenigen Fällen zu einer Strophe mit Refrainansatz. Doch vieles auf „Pocket Symphony“ verwehrt sich gängigen Popelementen. Viel eher wenden sich Air mit ihrem vierten regulären Studioalbum klassischen Kompositionen zu.
Man nehme 20 qm schwarze Auslegware, werfe ohne hinzusehen Smarties, M&Ms und anderen Süßkram auf sie. Vor einem liegt die Blaupause eines Air-Albums, doch es bedarf noch der ordnenden Hände zweier Franzosen, die den unterschiedlichen Farben und Anordnungen Richtung und Form geben. Am Ende stehen so instrumentale New Age-Instrumentals („Space Maker“, „Lost Message“), neben hüpfenden Popbeats mit japanischer Zither („Mer Du Japon“), dem von Jarvis Cocker besungenen Delirium in „One Hell Of A Party“ oder Neil Hannons Aufwach/Einschlaf-Song „Somewhere Between Waking And Sleeping“. Allesamt jedoch zerlaufen sie in geordneten Bahnen wie weiche Butter in der Sonne. Und genau diese Ordnung im schwammigen Chaos, diese Stringenz des Improvisierens im Popkontext ist die Kunst und Einmaligkeit von Air. Ihre „Pocket Symphony“ langweilt nie, aber sie verlangt vom Hörer unbedingte Entspannung und die Bereitschaft, „Sexy Boy“, „Kelly Watch The Stars“ und den Rest der grauen Welt vor der Tür für eine knappe Stunde zu vergessen.
1. Space maker
2. Once upon a time
3. One Hell of a party
4. Napalm love
5. Mayfair song
6. Left bank
7. Photograph
8. Mer du Japon
9. Lost message
10. Somewhere between waking and sleeping
11. Redhead girl
12. Night sight
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