
Daß The Ark eine grandiose Liveband sind, haben sie am 18.5. schon eindrucksvoll in der Kalkscheune unter Beweis gestellt. Kritik wird in diesem Falle nicht akzeptiert und mit einem hysterischen Lachen weggefegt. Und nun das. Ein Radiokonzert bei Radio Fritz. Vor hundert Leuten. Nachdem wir mehr als eine Stunde durch Berlins Innenstadt gefahren sind und uns mehr als zwei Mal verfuhren, kamen wir endlich pünktlich und mit flatternden Herzen in Potsdam an. Schnell noch durch die Horde sechzehnjähriger Mädchen gedrängelt, Mathias Schweighöfer weggeschubst und endlich Auge in Auge mit Sänger Ola Salo. Komische Situation. Eine Bühne zu ebener Erde. Und vor sich eine Band, für die man töten würde, um sie wenigsten aus 500 Meter Entfernung zu sehen. "Ihr müsst laut klatschen und schreien. Winken sieht man im Radio nicht." Können ja gerne die Kleinen machen. Ich schaue lieber einfach verzückt zu, wie die Band sich verausgabt und Ola genüsslich über die Bühne schwuchtelt. Diese ungewohnte Nähe ist irgendwie komisch, stelle ich ganz schnell fest. Eigentlich sollte ich der Band zuschauen. Stattdessen fühle ich mich die ganze Zeit beobachtet. Da ich nicht weiß, wo ich meinen Blick hinwenden soll, konzentriere ich mich auf Ola Salos Overall, der wirklich sehr eng sitzt. Mit jedem Song wird dieses grüne Ungetüm dunkler, um bei Let your body decide komplett durchnässt zu sein. Ich überlege, wie oft er dieses Teil in den letzten Monaten schon durchgeschwitzt hat und bin leicht pikiert. Egal. Im Gegensatz zu seinem Bühnenoutfit sitzt seine Stimme perfekt und jagt mir immer wieder (Klingt kitschig, ich weiß. Aber wenn es nunmal so ist...) einen wohligen Schauer über den Rücken. Bei Tell me this night is over fange ich fast an zu weinen. Ob es dem alten Mann auch so gegangen wäre? Nachdem The Ark die Bühne verlassen haben und der Moderator erklärte, wie Zugabe auf Schwedisch heißt, rufen dann alle ganz brav "Extranummer". Natürlich. Calleth you, cometh I. Großartig. Können sie nicht einfach immer weiter spielen? Bis an mein Lebensende! Halb taub und blind vor Verzückung verlasse ich das RBB-Gelände und werde wieder in die harte, ungerechte Realität geworfen. Warum sind Sie nicht meine besten Freunde, quengle ich und schnauze zwei Radfahrer an. Unerhört!
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