
Dass Air ihre beste Zeit vermutlich bereits hinter sich haben und die Ticketpreise bei fast vierzig Euro liegen, hindert über 2000 Menschen nicht daran, am heutigen Abend für ein überraschend ausverkauftes Huxley's zu sorgen. Ob sie zurecht gekommen sind?
Zumindest nach der ersten Hälfte des Konzertes muss diese Frage leider mit einem dezenten Nein beantwortet werden. Fast ganz in Weiß gekleidet präsentieren die beiden sympathisch zurückhaltenden Franzosen zunächst beinahe nur Songs ihres zwar passablen, aber an frühere Großtaten nicht anknüpfenden, mittlerweile sechsten regulären Albums „Love 2“. Gepflegte Langeweile gar macht sich bei Stücken wie „Do The Light“, „Love“, „Tropical Disease“ und „Missing The Light“ langsam breit. Andächtig oder erstarrt lauscht die erwartungsvolle Menge dem am heuigen Abend um einem Drummer erweiterten Klangspektrum der früheren Kaminpop-Götter. Zu befürchten ist Letzteres. Geradezu erleichtert goutiert man dazwischen die Klänge früherer „Hits“ wie „People In The City“ und „Remember“ vom Meilenstein-Debüt „Moon Safari“. Ein weiteres Problem der etwas schlaffen Performance liegt in den gespielten Versionen, die den Tracks nicht wirklich etwas Neues, Kreatives oder Hinzufügendes abgewinnen. Falls dem einen oder anderen bis zu diesem Zeitpunkt nach einem harten Arbeitstag die Augen zugefallen sind, tragen auch Air nicht unwesentlich Schuld daran.
Ganz anders entwickelt sich die zweite Hälfte, die um so mehr aus den älteren Stücken des Air'schen Ouevres schöpt. Und siehe da: Bewegung kommt ins ermattete Publikum und der Auftritt gewinnt an Qualität. Ob „Radian“, „Cherry Blossom Girl“, „Alpha Beta Gaga“, aber vor allem „How Does It Make You Feel“ („10 000 Hz Legend“), „Talisman“ und „Kelly Watch The Stars“, wiederum von „Moon Safari“, zeugen auch im Jahr 2010 noch eindrucksvoll von der Genialität der frühen Air, die im Zugabenblock mit „Sexy Boy“ und dem Übersong, den Nicolas Godin und JB Dunckel je geschrieben haben, „La Femme D'argent“ ihren folgerichtigen Höhepunkt findet. Die beiden zum Ende frenetisch bejubelten Versailler wissen also die Kronjuwelen ihres Schaffens richtig einzuordnen. Doch bei aller Hervorhebung des Frühwerks: Vielleicht gelingt es Air doch noch, mich Lügen zu strafen und in den nächsten Jahren ein weiteres Meisterstück zu kreieren, das den Vergleichen mit „Moon Safari“ standhält.
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