
Bei ihren ersten Deutschlandauftritten Anfang der 90er zog die Londoner Band Suede durch kleine Cubs und brachte ihren Britpop mit Glanz und Glamour natürlich auch nach Köln. Die Fans standen dicht gedrängt vor der Bühne und ließen sich vom charismatischen Frontmann mitziehen. Hätte zu dieser Zeit der Blick in einer Kristallkugel genau dieses Bild, gute 15 Jahre später vorhergesagt? Im Jahre 2010 angekommen stehen die mittlerweile erwachsen gewordenen Teenager Mitte 30 oder älter dicht gedrängt vor der kleinen Bühne und warten auf Brett Anderson. Obwohl Suede seit 2003 nicht mehr existieren, zieht Brett Anderson auch solo seine Fangemeinde immer noch magnetisch an. Der heutige Abend beweist es erneut. Denn selbst bei bitterer Kälte haben sich einige hundert Leutchen auf den Weg ins Kölner Luxor gemacht, um ihren Star zu feiern.
Als gegen 22 Uhr immer noch zwei Bühnenhelfer Handtücher verteilen, wird es in der ersten Reihe langsam unruhig. Um auf einem der vordersten Plätze mit dabei zu sein, stehen sich einige Fans seit drei Stunden die Füße platt. Nun wird das ausharren belohnt. Als es ganz düster ist und die Silhouetten der Musiker zu sehen sind, wird es für einen kurzen Augenblick totenstill. Aber nur solange bis auch der Umriss Andersons erkennbar ist. Der Begrüßungsapplaus verstummt mit schweigendem Genießen der Klänge zum Opener „Hymn“, ein Stück des aktuellen Albums „Slow Attack“. Der mittlerweile eigenwillige Studiosound von Brett Anderson bleibt auf der Bühne ganz und gar nicht slow. Denn schon im nächsten Moment ändert sich die Richtung. Die ersten Hände greifen gen Anderson und der Sänger kostet die Bewunderung seiner Person voll aus. Mit einem strahlenden Lächeln schaut er ins Publikum.
Die aufheulenden Gitarren klingen nach alten Zeiten, entsprechen so einem Gefühl des Vermissens und dem Wunsch vieler Anwesenden, einen Klassiker serviert zu bekommen. Die kräftigen Drumschläge spielen die Pianoklänge in den Hintergrund. Auch Brett Anderson trägt noch immer die Suede-Gene in sich und tanzt sie etwa bei „The Swans“ heraus. Eben noch im Stechschritt am Bühnenrand wird Brett Anderson von seinen vier Begleitmusikern allein zurückgelassen. Das ist der Moment, in dem die Akustische zu ihrem Recht kommt und die brodelnde Stimmung in seichte Gewässer treibt. Mit dem erneuten Erscheinen der Band kommt allerdings wieder ein Tick Suede-Leben in die Musik. Die synthetischen Streicher von „Love Is Dead“, ein konzentriert wirkender Sänger und der anschließende „Song For My Father“ sorgen für die angemessenen Emotionen. Cut.
Die Zugaben werden mit einem Blick in die Vergangenheit beendet. Was aber nicht heißt, dass Anderson in die Suede-Mottenkiste greift, auch wenn es schön gewesen wäre bei „Beautiful Ones“ noch einmal mit zu grölen. Nein, die Vergangenheit ist nur ein kleiner Schritt zurück, ins Solo- Anfangsjahr 2007. „Back To You“. Und das bestimmt bald, denn der Mythos Brett Anderson funktioniert in Deutschland immer noch hervorragend.
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