
„Da haste jetzt aber mal echt was verpasst! Schade. Der Laden war rappelvoll und bestimmt auf 75 Grad aufgeheizt. Bin völlig durchgeschwitzt, obwohl ich nur in der Ecke gestanden habe. Vier sehr nette Jungs, die in zwei Jahren ganz sicher an anderer Stelle spielen werden. Klasse Sänger, obwohl gerade die Gesangslinien oft noch recht prollig rüberkamen. Hat sich auf jeden Fall gelohnt.“
Nach dieser Kurzrezension und mit soviel Zuversicht bietet sich gleich in der dritten Januar Woche 2010, nur vier Monate später, die Gelegenheit, das Verpasste nachzuholen. Nach Dortmund kommen We Were Promised Jetpacks in belgischer Begleitung. Ebenfalls vier junge Herren, die allerdings schon drei Alben veröffentlicht haben und im April das nächste hinterher schieben. Die roten Schürzen und weißen Kittel, die Mint im Kaufhaus-Werbevideo zum Song „Your Shoppinglists Are Poetry“ tragen, haben die smarten „Hinterländer“ heute am heimischen Wursthaken hängen lassen. Dessen fluffige Melodie sitzt auch zwei Jahre nach der Veröffentlichung noch gut in den Ohren, auch beim Dortmunder Publikum. Der Start in den Abend ist von frischen Gitarren getragener Indiesound, der auch wegen seiner dezenten Keyboardklänge nicht in den Ohren schmerzt. Songs wie „Ah, You Left me“ bekommen eine fragile Note wenn Sänger und Gitarrist Erwin die akustische Gitarre aus der Tasche holt. Doch zum Ende kramen Mint nochmal einige schnittige Gitarrenklängen aus ihrem Songsortiment und sahnen eine ordentliche Portion Applaus ab.
Wie schon damals ist der Laden auch heute rappelvoll. In der kleinen Halle des Dortmunder FZW drängeln sich die Besucher selbst noch auf der Treppe zum Ausgang. Die Typen, die eben noch für den Soundcheck verantwortlich waren, stehen nun wieder auf der Bühne. „Keeping Warm“. Das Licht bleibt aus. Die Instrumente werden zuerst mit sanften Fingern gespielt, die zaghaften Anfangsklänge schnellen blitzartig voran, bis die Saiten der Gitarren immer lauter mit den scheppernden Drums durch das Gehör jagen. Im Raum steigt die Spannung ebenfalls an: es brodelt und kocht. Schlagartig ändert sich der aufbrausende Krach und die Instrumente sind genauso bereit wie das hitzige Publikum. Ganz cool, als hätten sie gar nichts gemacht, spielen We Were Promised Jetpacks den nächsten Song und ihre erste Single „Quiet Little Voices“ aus dem aktuellen Album „These Four Walls“. Rauer als Franz Ferdinand, frecher als die White Lies und im Vergleich mit den Editors mit einem ähnlich cool wirkenden Gitarristen schreddern die vier wirklich sympathische Burschen, die sich nicht etwaigen Styling-Hypes konsequent verweigern, ihre Songs erbarmungslos runter. Die Leidenschaft an ihrer Musik leben die Schotten unverfälscht aus. Alles wirkt ehrlich. Konzentriert oder lässig mit meist ernsten Gesichtsausdruck gibt sich jedes Bandmitglied seiner Aufgabe voll hin. Sänger Adam steht meist seitlich zum Publikum und läuft eiligst einige Schritte von links nach rechts - und wieder zum Mikrophon. Beim singen schließt er meist die Augen, vermeidet den Blickkontakt zur Menge. Gitarrist Michael verhält sich ziemlich cool, starrt Löcher in die Luft und im nächsten Moment drischt er mit herabgelassenem Kopf in sekundenschnelle auf die Saiten ein.
Die Stimmung bei den Zuschauern ist vom ersten Ton an konstant mitgelaufen. In „Ships With Holes Will Sink“ nimmt der Stimmumfang nochmal um einiges zu. Wahrscheinlich wird es von jedem vor der Bühne lauthals mitgegrölt. Schneller als von den meisten gewollt ist das großartige Debütalbum der Jetpacks runtergespielt. Mit einem bleibenden Eindruck und klingelnden Ohren endet diese eindrucksvolle Stunde.
->Bildergalerie zum We Were Promised Jetpacks-Set
->Bildergalerie zum Mint-Set
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