
Rappelvoll ist es im kleinen Saal im Düsseldorfer Zakk. Mehr geht eigentlich gar nicht. Doch als es dunkel wird, erscheinen die letzten vom Scheinwerferlicht angezogenen Gestalten vor der kleinen Bühne und warten auf die Dinge, die gleich geschehen. Eilig stürzen die vier Briten von Art Brut in den Abend und der Spaß kann beginnen. „Look at us, we formed a band“ heißt die erste Aufforderung der chaotischen Truppe.
Im Anschluss an diesen beispielhaften Einstieg geht es mit ruckartigem Art Brut- Gesangsaufdruck rastlos weiter. Nach den ersten hektischen Minuten hat sich Frontmann Eddie Argos genug aufgeheizt und pellt sich aus dem überflüssigerweise angezogenen Sakko. Die Laune überträgt sich schnell in den Innenraum. Ruppig geht es auf der Bühne weiter. Die drei musikalischen Mitstreiter bleiben zwar im düsteren Hintergrund, trotzdem ist Drummer Mikey Breyer der modische Hingucker. Im typisch deutschen Mallorca-Urlauber-Outfit - Shorts, Sandalen und schicke wadenlange Socken - steht er hinter seinem Instrument. Mr. Argos ist der Blicke saugende Mittelpunkt. Prollig und ungestüm bewegt er sich zur Songpalette aus drei Alben. Die vorbereitete Setlist ist kein Grund für die Band, es auch genau so zu präsentieren. Die Reihenfolge der Lieder wird nach Bedarf abgearbeitet. Während der Singles „Emily Kane“, „Direct Hit“ oder „Pump Up The Volume“ tobt der Mob knallhart zum groben Sprechgesang. Aus den mittleren Reihen fliegen klebrige Duschen aus gut gefüllten Bierbechern über die wippenden Köpfe hinweg. Niemanden stört das und der Stimmung tut es auch nicht weh. Im Gegenteil. Die akrobatischen Einlagen auf der Bühne erreichen ihren Höhepunkt und Eddie zeigt dem Publikum, welchen Sinn ein Mikrokabel haben kann. In einem gesangslosen Moment wird es zu einem Springseil umfunktioniert.
Nach 17 Songs und der einmaligen Aufklärung was es mit „The Passenger“ auf sich hat steht alles Kopf. Durchgeschwitzt aber glücklich verschwinden die Musiker aus dem Lila-Laune-Licht. Aber nur kurz. „Bang Bang Rock And Roll“ und die menschgewordene Fun-Station schießt wieder von 0 auf 100. Aus der hintersten Reihe ist nur noch ein Pulk aus schubsenden Körpern zu sehen. Wie wird das bloß enden, damit nichts aus den Fugen gerät. Für den verantwortlichen Sänger ist das kein Problem. Eddie mischt sich bei „Modern Art“ als Mobbändiger einfach zwischen die Fans, steht vor ihnen und reißt die Arme hoch. Alle sind sich einig und greifen das Vakuum der von Adrenalin durchzogenen Luft. Auch als die Stille der Instrumente den Trubel der brutalen Kunst beendet, bleiben alle Hände oben.
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