
Manchmal geschehen noch kleine Wunder, wie an diesem Samstagabend etwa. Andy Oppenheimer und Martin Lloyd sind die besonderen Gäste im Zwischenfall in Bochum. Kein Wunder, denn eigentlich existiert die Band seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr. In dem kurzen Bestehen des Duos entstand nur ein Album als antiquarische Musikkassette. Doch auch 25 Jahre später klingt die Musik immer noch zeitgemäß, nur der Inhalt der Lieder - der Kalte Krieg mit seinen Konflikten zwischen den USA und der Sowjetunion - sind aus vergangener Zeit. Als Fachmann in Nuklearwissenschaft, Chemie und Biologie bleibt es nicht aus, dass das 2005 erschienene Material mit dem Namen „Der Wissenschaftler EP“ versehen wird. Und aus dieser minimalen Songdecke besteht dann auch die Setlist des einzigartigen Auftritts.
Eigentlich sollte ein Nachbar aus Brighton den Support für Oppenheimer Analysis übernehmen, nämlich JonTeknik. Der Unfall im Eurotunnel hat dieses leider nicht zugelassen und Jon Russell musste kurzerhand seine Anwesenheit canceln. Mit viel Glück hat der Hauptact zwei der letzten Fährenplätze ergattert, sonst hätte die heutige Neonwelt-Veranstaltung völlig im Dunkel gestanden. So platziert sich ein kleiner schmächtiger Herr mit Hut zwischen den zwei aufgebauten Monitoren. Auf der rechten Seite findet Martin Lloyd am Keyboard und Computer seinen Platz. Großer Aufwand wird nicht betrieben, der Hintergrund ist passend zur Thematik der Songs eingerichtet. Nur die Flaggen der Kalten Kriegernationen prangen an der Wand. Auf den Monitoren flimmern schwarz-weiß Aufnahmen. Erste kühl-elektronische Klänge füllen den dunklen Raum. Die Fläche vor der Bühne bleibt übersichtlich, viele der Anwesenden behalten einfach ihren bequemen Platz an der Theke oder in einem der vorhandenen Sessel. Sichtlich gut gelaunt übernimmt Andy Oppenheimer die Aufgabe des Frontmann. Mit seinen eigenen Tanzstyle bewegt er sich in minimalen Bewegungen optimal zu dem ebenso reduzierten wie doch durchdringenden rhythmischen Sound. In Lederhose, Sakko, weißen Hemd und mit Hut erinnert sein Aussehen im Schatten der bunten Scheinwerfer oft an den jungen David Bowie.
Songs aus gegenwärtiger Zeit wie „Washington“ und „My Guilt Goes On“ animieren auch das Publikum sich dezent zum Takt der Strommusik zu wiegen. Ein ganz neuer Song wird als „One Minute To Midnight“ vorgestellt. Einmal tief durchatmen, die Augen schließen, um sich dann für einige Minuten mitten im Sound der 80s wieder zu finden. Dieses Gefühl befällt einen eigentlich bei jedem der heute zu hörenden Songs. Große Ansprachen sind nicht notwendig, die Musik reicht völlig aus. Der zweite, nur für die Musikmaschine zuständige Mann bleibt den ganzen Abend über fast unbemerkt hinter seinem Instrument stehen. Kein einziges Mal wird es laut, es gibt keine euphorischen Beifallsattacken aber trotzdem ist dieses innere Knistern vorhanden, das besonders bei „Cold War“ und „Fellow Traveller“ zu spüren ist. Nach diesem ruhigen Stück herrscht eine tiefgefrorene Stille im Raum, die sich sogar bis auf die Bühne ausgebreitet haben muss. Damit wir nicht in trüben Gedanken ertrinken, steigert sich die Musik wieder in ausschweifende Freude, auch wenn die Klänge zu „Devil Dancer“ ein weiteres Mal in unsere Ohren dringen. Es gibt eben Klassiker die können bedenkenlos wiederholt werden - Oppenheimer Analysis sind ein eben solcher.
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