
Pünktlich um 21 Uhr verdunkelt sich das Innere der Weststadthalle. Die Stimmung ist angespannt, nervös und unruhig. Public Viewing - mit einer Schar Leute, die aus drei Generationen Rockmusikfans besteht. Da bekommt der gemeinsame Familienausflug gleich ein neues Gesicht und die Kinder, die in Begleitung ihrer Eltern sind, haben nach dem Konzert ein gutes Argument den nächsten Friseurbesuch locker um ein halbes Jahr zu verzögern.
Die Bühnenbeleuchtung wird an diesem Abend nur sparsam eingesetzt. Kaltes, weißes Licht fixiert die aufgebauten Instrumente und die Bühne wirkt plötzlich bedeutend kleiner. Dieser grell erleuchtete Mittelpunkt sieht übernatürlich aus, als wäre mitten in der Garage ein Ufo gelandet. Im überbelichteten Blickfeld sind wage drei Silhouetten zu erkennen. Die schwarz gekleideten Gestalten erscheinen wie aus dem Nichts. „666 Conducer“ und das BRMC Spektakel ist eröffnet. Vom Lichtstrahl geblendet und dem Gitarrenangriff betäubt, steht das Publikum noch regungslos da. Auch die nächsten derben Einspielminuten gehören dem aktuellen „Baby 81“. Langsam wird es dichter in den Reihen, immer mehr Menschen drängen sich Richtung Bühne. „Stop“ und die Rebellen sind mit dem Garagensound im Jahre 2003 angekommen, nur ein Zeitabschnitt in ihrer mittlerweile zehn jährigen Bandgeschichte. An den Drums sitzt nicht der gewohnte dritte Mann Nick Jago, sondern eine Frau namens Leah Shapiro. Ob Frau Shapiro nur die Vertretung ist oder ein neues Mitglied der Band bleibt ungeklärt. Denn der BRMC ist nicht sehr redselig, dafür umso spielfreudiger. Damit die beiden Frontmänner gleichermaßen ihre Gesangsqualitäten der Hörerschaft nicht vorenthalten müssen, wird der Gesang zwischen Peter Hayes und Robert Levon Been liedgerecht aufgeteilt. Jeder Song bekommt so die perfekte Ausstrahlung. „Red Eyes And Tears“ wird schon am Saitenanschlag erkannt, bevor die Band es über die Bühne jagt. Die davor stehenden Körper tanzen, pogen und umarmen sich zu den krachenden Beats.
Um Langeweile zu verhindern, werden die Stücke abwechslungsreich ausgestattet. So bekommt Peter Hayes seinen Soloauftritt mit der Akustischen für zwei Folknummern. Danach erhält Mr. Been die Aufmerksamkeit hunderter Augen- und Ohrenpaare als er „Pretended“ runterschrabbelt. Das Stimmungshoch ist hiermit schon längst erreicht, ein Ende noch nicht Sicht. Doch die Zeit vergeht unbemerkt weiter, bis es heißt „Whatever Happened To My Rock`n`Roll“.
Der BRMC lässt sich nicht lumpen, bekommt selbst nicht genug und verlängert trotz hundert Spielminuten nochmals um vier Tracks, damit am Ende zwei Stunden zusammen kommen. Nach diesem gemeinsamen hautnahen Megaschrammel-Event bewegen sich ca. 400 glückliche Gesichter verrockter Menschen Richtung Ausgang.
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