Konzerte

Alphabeat

Alphabeat

 

09.04.08 - Quasimodo / Berlin

Konzert-Bericht:  Andreas

Foto: David Titlow

 

 

 

Sechs Menschen auf der kleinen Bühne im Berliner Quasimodo-Jazzclub. Normalerweise sicher kein Problem, wenn sie stur am Kontrabass zupfen oder mit ihrem Saxophon Melancholie blasen. Aber Alphabeat? Wer die Dänen im Ausland oder bei ihrem bisher einzigen Deutschland-Konzert bei der Popkomm gesehen hat, weiß, dass vor allem Sänger Anders SG das ausladende Spielen seines Schellenkranzes und vor allem das leidenschaftliche Herumspringen liebt. Wo also hin mit der ganzen Energie? Anders: „Spring öfter aber nicht ganz so hoch.“ Logisch.

Alphabeat spielen einen Showcase, fast ausschließlich vor Menschen aus dem Musikgeschäft. 25 knackige Minuten mit den Highlights des Ende Mai erscheinenden Debüts „This Is Alphabeat“. In der dänischen Heimat hat eben jenes Album bereits Platin in der Tasche, für die internationale Eroberung ist das Sextett nach London gezogen, um dort in einem gemeinsam bewohnten Haus seinen Siegeszug zu planen. Ihre Hauptwaffe: Lastwagen voller guter Laune. Für traurige Songs scheint das Leben schlicht zu kurz und selbst misepetrige Texte werden mit dringend tanzverdächtigen Rhythmen aufgepimpt. Die positivsten Kollateralschäden seit langem könnten außerdem vom hemmungslosen Spiel mit 70er und 80er Jahre-Popmusik angerichtet werden, denn „This Is Alphabeat“ quillt – vorsichtig gesagt – über vor popkulturellen Bezügen. Ob sich mit diesem Paket auch Musikredakteure, Journalisten und andere Entscheider überzeugen lassen, müssen die nächsten 25 Minuten zeigen. Ein sichtlich aufgekratzter und keine Sekunde stillstehender Anders SG verliert dann auch keine Gelegenheit und begrüßt höchst offiziell all die „business people of Berlin“, um im gleichen Atemzug zu fragen, ob denn auch Leute „just for fun“ gekommen wäre. Ja, einige. Man stelle sich diesen Mann in enger Hose und blauem Cardigan wie ein hyperaktives Duracell-Häschen vor. Ein Mensch, der seine Texte mit soviel Inbrunst singt und seinen Schellenkranz mit derartig viel Energie hinundherschleudert, dass in seinem Körper nur noch wenig Platz für anderes sein dürfte. Damit darf er ungefähr als das Gegenteil seiner zierlichen Gesangspartnerin Stine gelten, die zwar nicht minder gern von einem Fuß auf den anderen tänzelt, letztendlich aber doch den ruhigeren Punkt auf der Bühne gibt.

Zwischen dem immer mitgehkompatiblem Uptempo-Gewitter aus Song wie „10 000 Nights Of Thunder“, dem mit deutschen Sprachübungen aufwartenden „Fantastic 6“, einem Gummiapathie-Schlager mit Namen „Rubber Boots“ und dem bissigen „Boyfriend“ wird das anwesende Publikum immer wieder gern darauf hingewiesen, dass auch „business people“ Spaß haben dürften. Haben sie dann auch, nur wird das nicht ganz so offen gezeigt. Das schelmische Grinsen auf jedem zweiten Gesicht allerdings sagt alles. Irgendwann dazwischen wird noch höchst charmant „Digital Love“ von Daft Punk gecovert und spätestens als das stampfende Schlagzeug „Fascination“ ankündigt, sind Alphabeat Könige. Denn wenn Anders SG an dessen Höhepunkt exakt elf mal feststellt, dass man das Wort doch auf den Lippen hätte („The word is on your lips...“) und sein Gegenüber Stine genauso oft fordert, es doch endlich auszusprechen („Say the word!), bleibt nur noch mit einem gemeinsamen ekstatischen „FASCINATION“ zu explodieren und den Kurzauftritt im kompletten Überschwang zu beenden.

Verehrtes Indiepublikum: vergessen sie für 60 Minuten ihre Coolness, schmeißen sie alle Bedenken begeistert über Bord und treffen sie die Band, die man besser nicht mit dem „Highschool Musical“ vergleicht. „This Is Alpabeat“!

Review kommentieren

Neues Thema im Forum

Mehr zu Alphabeat auf soundmag.de

Band-Seite

Interview vom 09.04.08

Offizielle Website

www.thisisalphabeat.com

Alle Konzerte

 

 

 

Neue Konzerte

 

Neue Reviews

 

Suche in soundmag.de