
Es war nicht schwierig in einer spontan vorab veranstalteten Umfrage Leute zu treffen, die Frank Black, der sich dem Synonym Black Francis gern bedient, schon sehr oft live gesehen haben. Sei es mit den Pixies, als Frank Black oder eben als Black Francis. Egal ob in größerer oder kleinere Besetzung. Interessant war jedoch die Schar jüngerer Besucher, die quantitativ betrachtet sicher deutlich im Hintertreffen lag. Bei Ihnen schien eine Idee leise anzuklopfen: „den muss man gesehen haben“. Fehlt fast noch der Nachsatz: „ehe er nicht mehr spielt“. Denn gesund erscheint er rein vom Körpergewicht nicht, einige im Publikum erinnerte er inzwischen fast an Buster Bloodvessel in den frühen Jahren der Bad Manners. Die Glatze mag den Eindruck unterstützen.
Ich nahm mir vor, beide Fraktionen noch einmal nach dem Konzert zu befragen. Einerseits die graumelierten, ewigen Pixies-Fans und andererseits die Erstbesucher. Vor dem Konzert ist schließlich nach dem Konzert. Nach dem feinen Support von Bobbie Peru, dem 2006 gegründeten Trio aus Manchester, kam Frank Black ganz in schwarz gekleidet mit schmaler Sonnenbrille die Wendeltreppe herunter. Fast Pünktlich. Keine großen Gesten folgten. Er legte mit seinem Trio umgehend los. Kein Lächeln - zunächst.
Black Francis zog in seinem Sound deutliche Parallelen zu den Pixies. Insgesamt ein erdiger, bluesiger Klang mit einigen Offtime-Passagen und deutlich vordergründiger Gitarre. Der Bass ließ sich demgegenüber eher erahnen. Songs aus dem neuen Album „Bluefinger“, inspiriert vom holländischen Maler Hermann Brood, brachten das Publikum langsam in Fahrt. Der Opener: „Bluefinger“ mit den Lyrics: “I´m a bluefinger from up on the hill…”. Bei diesem bluesigen Song wird fast trunken geschunkelt. Gewippt mit den Schuhen auf dem klebrigen Metallfussboden im Postbahnhof. „Test Pilot Blues“ bringt Black ins Schwitzen und vor allem Schreien. Die Sonnenbrille fällt auf die Bühne und verbleibt dort bis zum Ende des Konzerts. Man kann ihm von nun an in die Augen sehen. Ein Höhepunkt: „You Can’t Break A Heart And Have It“, nicht nur von den Lyrics. Auch der Rhythmusgruppe machten diese lauteren Rocknummern mit dem kräftigen Schreien Frank Blacks sichtlich Freude. Das Tempo bleibt etwas höher, auch bei „Your Mouth Into Mine“, einem sehr dichten Song. Und auch beim Trio von Black Francis manifestiert sich weiter das Lächeln um die Lippen. Die Songs sitzen. Lediglich am Ende des Konzerts scheinen einige Schlüsse der Band nicht mehr so klar. Nach 70 Minuten verlässt der Meister mit seinen Konsorten die Bühne. Das Licht wird sofort auf die Besucher losgelassen, lässt die Augen blinzeln und geklatscht wird fast schon aus Verzweiflung. Vielleicht kommt er ja noch einmal auf die Bühne und spielt die eine oder andere weitere Pixies-Nummer. Das hoffen nicht nur die alten Fans.
Einige hatten noch ein kleines Statement für die Umfrage nach dem Konzert zugesagt. Etwas betreten winken sie nun ab. „Ja ich muss erst mal eine rauchen“ - keine Antwort ist auch eine Antwort. Weil schlecht finden darf man Frank Black wohl nicht, auch wenn das Konzert sicher nicht das kraftvollste war. Schließlich wird er wohl immer als der legendäre Pixies-Frontman wahrgenommen werden und mit jedem Konzert schwingt für viele die Hoffnung mit, das genau die Teile immer wieder zusammen kommen, die wohl zusammen gehören könnten. Und noch was, was zum Teufel heißt denn eigentlich „88 ist the best“? Das stand auf einer Jacke eines Besuchers. Was mischt sich denn hier? Verschwörungstheorien. Nächste Stationen der Tour 2008 sind Dänemark, Luxemburg, Schweiz, Belgien und Holland.
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