Konzerte

Brett Anderson

Brett Anderson

 

12.12.07 - Konzerthaus / Dortmund

Konzert-Bericht:  Martina

Foto: Martina

 

 

 

Beim Verlassen der Bühne sagte er den vielversprechendsten Satz des Abends. Drei kleine Worte: „Coming back soon“. Das war die Verabschiedung von Brett Anderson an seine Amsterdamer Fans im April. Tatsächlich gibt es ein Wiedersehen noch in diesem Jahr. Allerdings ein paar Kilometer weiter im Dortmunder Konzerthaus. Elektrisch verstärkte Gitarren sind in einem solch schönen Ambiente natürlich fehl am Platz und darum hat sich Mr. Anderson für einen ebenso gemütlichen wie entspannten Unplugged-Auftritt entschieden. Am 12. Dezember also öffnet sich – zumindest für Suede-Fans – das geheimnisvollste und schönste Türchen des Adventkalender 2007. Quasi die 24 mit dem großen Schokoladen Stückchen – nur schon zwei Wochen früher.

Neulinge, denen der Name Brett Anderson nur wenig sagt, erhalten am Einlass einen Infozettel mit auf den Weg. Darauf: eine kurze Biographie sowie die Länge des Konzerts. Eine Stunde und 45 Minuten, inklusive Pause. Auf der Bühne stehen die wenigen Instrumente schon bereit und warten darauf, dass die aus ihnen erzeugten, verzaubernden Klänge die Ungeduld der Fans endlich beschwichtigen.

Die Ruhe im Konzertsaal ist eigenartig. Kaum jemand läuft umher, alle sitzen. Wer kann sich so etwas vorstellen? Das bei einem Brett Anderson-Konzert das Publikum still auf seinen Plätzen bleibt. Pünktlich um 21 Uhr dimmt die helle Beleuchtung in sanftes Schummerlicht. Die Bühne wird in ein glühendes Rot getaucht und die linke Seite des Vorhangs öffnet sich. Elegant in Sakko, Jeans und spitzen Schuhen, die eine Leihgabe der Leningrad Cowboys sein könnten, läuft Brett Anderson schnellen Schrittes und begleitet von der Cellistin Amy Langley zielstrebig in Richtung Hocker. Dort angekommen greift er zur Gitarre und beginnt unter herzlicher, lautstarker Begrüßung mit „Love Is Dead“. Erlöst von der Anstrengung des Wartens, sinkt man tief in den bequemen Polstersitz zurück und genießt gespannt.

Die ersten Songs des Abends stammen von seinem Soloalbum, inklusive der B-Seite „Clowns“. Wesentlich verändert klingen die Stücke auch in der akustischen Version nicht. Das Cello nimmt den Gitarrenakkorden ihre Einseitigkeit. Durch die karge Instrumentierung entfaltet sich die einzigartige Stimme von Mr. Anderson um so mehr. Wer sich bis eben noch nicht so richtig vorstellen konnte, wie sich die guten, alten Suede-Songs nur mit Gitarre/ Cello, oder Piano/Cello anhören werden, dem wird in den nächsten Minuten so einiges klarer. Als die ersten Klänge von „Everything Will Flow“ die Ohrmuscheln der Fans erreichen, geht ein erneutes Seufzen durch den Raum. Es klingt fast wie die eine Erleichterung, die sehnsüchtig erwartet wurde. Es folgt „Saturday Night“. Obwohl diesem Stück die „suedeschen“ Gitarren genommen und durch drei akustische Riffs ersetzt werden, verliert der Song kein Stück seiner Wirkung. Im Gegenteil: er berührt und verwandelt die Länge des Vortrags in einen angenehmen Traum an die Vergangenheit. Durch den schallenden Applaus jedoch hält dieser Traum nicht lange an. Auch Titel aus Suede-Anfangstagen wie „The Asphalt World“ klingen nur von Piano und Cello begleitet erstaunlich gut.

Nach 15 Minuten Pause öffnet sich der Vorhang erneut. Brett Anderson greift noch mal zur Gitarre um die Endrunde mit „Europa Is Our Playground“ zu beginnen. Dafür erhält er gewaltigen Beifall. Es folgt ein Wechseln zwischen Gitarre und Klavier. Die Klavierklänge verpassen „Back To You“ einen wunderbaren Nachklang aus Traurigkeit. Darauf folgt ein nicht erwartetes Highlight aus Perlen der besten Suede-Alben. Von „He´s Gone“ bis zu „Still Life“ ist alles vertreten, was das Fanherz begehrt. In Gedanken stellt man sich dennoch die fehlenden Gitarren und anderen Instrumente vor und auch ein wenig die fehlenden Bewegungen des Künstlers. Mit „The Wild Ones“ schließlich verabschiedet sich Brett Anderson - erstmals.

Trotz der vorgegebenen Spielzeit im Programm werden Zugabewünsche natürlich erfüllt. Jetzt ist es auch vorbei mit dem selbst auferlegten Sitzzwang. Denn als Mr. Anderson für die Zugaben zurückkommt, steht eine beachtliche Gruppe Zuschauer vor der Bühne. Auch der Rest hat sich von den Sitzen erhoben um die letzten Songs euphorisch zu feiern. Kinderspiel bei Klassikern wie „So Young“ und „Trash“.

Auf dem Rückweg durch die sternenklare Nacht bin ich auf der Suche nach den für diese Nacht angekündigten Sternenschnuppen. Damit sich der nächste Wunsch auch möglichst bald erfüllen mag.

Setlist:

Love Is Dead
Song For My Father
Scorpio Rising
Clowns
Everything Will Flow
Saturday Night
Different Place
By The Sea
The Power
The Asphalt World

(Pause)

Europe Is Our Playground
To The Winter
Back To You
Dumb
He's Gone
The Two Of Us
Pantomime Horse
Still Life
The Wild Ones

So Young
Trash

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Offizielle Website

www.brettanderson.co.uk

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