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08.11.06 - Postbahnhof / Berlin

Konzert-Bericht:  Jan

Foto: Bandfoto

 

 

 

Während die Luft über dem Festivalgelände vibrierte, traten Archive im kleinen Zelt gegenüber der Hauptbühne auf und mussten unter tropischen Umständen ihr Hurricane-Set absolvieren. Die Hitze an diesem Juni-Wochenende war so drückend, dass Sänger Dave Penney den Schweiß an seinem Unterarm entlang rinnen sah. Dem Publikum ging es nicht anders. Doch Dank der intensiven Performance der Engländer schien sich niemand daran zu stören und so trotzten einige hundert Besucher der Wärme und dem lästigen Geschepper des Auftrittes von Wir sind Helden, welches zwischen den Liedern und bei ruhigen Passagen immer wieder durch eine Wand aus Schweiß und Staub drang. Natürlich waren ähnlich gelagerte meteorologische Umstände im November in Berlin nicht zu erwarten. Kalt ist es draußen und irgendwie auch genau die richtige Jahreszeit für ein Konzert von Archive. Es riecht nach Heizöfen, klarer Luft und nahezu weihnachtlicher Vorfreude.

Pünktlich 21.35 Uhr steht die Band auf der Bühne und eröffnet mit dem sagenhaften „Lights“. Kürzer als auf Platte, trotzdem 12 Minuten lang und schon allein wegen des eindringlichen Gesangs von Pollard Berrier - der sich den Job am Mikrofon mit Dave Penney und Maria Q. teilt – der perfekte Einstieg. Während die restlichen sechs Musiker sich über die Mitte der Bühne verteilen, flankieren Danny Griffiths und Darius Keeler diese und setzen mit ihren Laptops, Keyboards und Synthesizern den musikalischen und visuellen Rahmen des Abends. Nach „Lights“ folgen ältere Stücke wie „Numb“ und „Headspace“, die sich locker mit aktuellen Songs wie „Veins“ und „I Will Fade“ abwechseln. Die Kommunikation mit dem Publikum erfolgt ausschließlich über die Musik und diejenigen, die gerne mit Worten wie „Hallo Berlin“, „Der nächste Song handelt von...“ oder einfach nur: „Danke schön.“ bedacht werden, schauen an diesem Abend in die Röhre. Stattdessen erleben sie eine Band, die höchst konzentriert, von weichem bis flackerndem Licht umspült, ein Set präsentiert, das von vorne bis hinten stimmt, jeden Song durch Keyboardflächen mit dem nächsten verbindet und an Perfektion kaum zu überbieten ist. Dass hier etwas Außergewöhnliches dargeboten wird, scheint sich dennoch nicht bis in die letzten Reihen herumgesprochen zu haben – störendes Geschwafel aus diesen Regionen wird mehr als einmal mit einem satten „Pscht“ unterdrückt. Irgendwo muss man ja seine Selbstbestätigung herholen, wenn man den lieben langen Tag gemaßregelt wird, dass der nächste Pitch noch nicht fertig ist. Abgesehen von Ausfällen dieser Art war das Publikum überraschend angenehm. Vielleicht ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass Archive eben nicht auf Radio 1 und Motor FM laufen – von „System“ einmal abgesehen. Nach „Fuck U“ beendet die Band mit „Sit Back Down“ (unglaublich, wie perfekt die Stimmen von Berrier und Penney miteinander harmonieren) und einem atemberaubend eindringlichen „Again“ den Hauptteil der Show.

Nachdem Maria Q. zur ersten Zugabe „Meon“ ihre zarte, wunderschöne Stimme durch den Postbahnhof fließen ließ, kommt natürlich die schon zuvor erwähnt Single „System“. Energisch und mit sägendem Unterarm intoniert Pollard Berrier diesen fantastischen Song und man fragt sich erneut, wo ein kleiner Mensch wie er diese Kraft hernimmt. Mit „Pulse“ schließlich wird ein großartiges Konzert beendet, welches hoffentlich jedem noch lange im Gedächtnis bleiben wird und, auch wenn es schon fast Winter ist, noch so lange im Herzen strahlt, dass man denken könnte, man befand sich soeben in einem kleinen Zelt bei 40 Grad Celsius irgendwo in der Nähe von - sagen wir mal - Scheeßel.


Setlist:

Lights
Numb
Bridge Scene
Veins
I Will Fade
Headspace
You Make Me Feel
Fuck U
Black
Sane
Sit Back Down
Again

-----------

Meon
System
Pulse

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