
Manic Street Preacher
Richard Ashcroft hat schwer Lasten zu tragen. Die tragen Namen wie "Sonnet" oder "Lucky Man" oder "The Drugs Don´t Work" und stammen alle von "Urban Hymns", dem letzten Album von The Verve. Es werden diese Songs sein, die die Atmosphäre in der Columbiahalle schlagartig zu etwas gutem verändern. Die Sterne im Hintergrund aufhellen lassen werden und die Magie verströmen, die nur ganz wenige Songwriter erzeugen können. Aber der Reihe nach.
Der "Manic Street Preacher" persönlich also. Dessen Songs auf dem letzten Album wie gemacht schienen für die Kirchen der Welt. Heute live in Konzert. Großes Kino wird erwartet.
Die Columbiahalle ist gefüllt. Nicht voll, aber es steht überall wer und man hat noch gut Platz um sich herum. Mr. Ashcroft betritt um viertel zehn die Bühne und schon jetzt ist klar, daß das ganze etwas erhabenes haben wird. Davor steht jedoch die Erkenntnis, daß der Sound ziemlich schlecht ist. Laut und schlecht gemischt. Schon bei "Sonnet", dem ersten Stück, merkt man dies. Beachtlich trotzdem, daß er gerade mit einem Verve-Song anfängt. Die lauteren, rockigen Songs enden in der Regel in einem großen Soundbrei, der einem das Gefühl vermittelt, daß irgendwo im Saal zwei Kreissägen stehen und einen ohrenbetäubenden Lärm machen. "New York" ist am Ende so total durcheinander und man hat Schwierigkeiten, die Melodien und Riffe zu erkennen. Das ist besonders schade, weil ja vor allem "Human Conditions" mit sehr feinen Soundstrukturen daherkommt.
Auf der Bühne immerhin acht Leute, inklusive der Ehefrau von Mr. Ashcroft. Einer von ihnen ist für die Streicher zuständig, ein anderer bedient Blasinstrumente wie Flöte und Saxophon. Beide haben einen relativ schweren Stand, weil die beiden Gitarren meist um einiges lauter sind und man z.B. das Saxophon nie heraushört.
Die großen Momente teilen sich in zwei Fraktionen. Da sind die akustisch gespielten Songs.
"The Drugs Don´t Work" oder "Space And Time". Und dann die leicht abgehangenen Songs vom neuen Album. Nicht alle, vor allem zwei davon. Die aktuelle Single "Check The Meaning" und die neue Single "Science Of Silence". Da merkt man, warum "The Verve" gerade "The Verve" hießen. Richard Ashcroft bewegt sich mit Schwung und leicht schwebend über die Bühne und das Publikum kann bei einem so hinreißenden Song wie "Science Of Silence" dann auch nicht widerstehen. Der bäumt sich als Zugabe ähnlich "All Around The World" von Oasis auf und bekommt immer noch eine Schicht Streicher draufgeschmiert. Großes Kino. Definitiv.
Dazwischen gibt es einige Song vom letzten Album: "A Song For Lovers", der zum ersten mal sowas wie Begeisterung im Saal hervorruft. Und dann die Stücke von "Human Conditions". Da ist es nicht einfach, weil das Album durchweg ruhig daherkommt. "Paradise" oder "Lord, I´ve Been Trying" werden artig beklatscht, überzeugen auf dem Album dann aber doch mehr als live.
Am Ende gibt es nach ewigem Klatschen noch "Space And Time" akustisch und "Sound Of Silence"(endlich und definitiv ein Höhepunkt). Ganz am Schluß steht "Bitter Sweet Symphonie", die ergreifensten acht Minuten der 90er Jahre. Heute jedoch ohne Streicher, wegen des Streites um Tantiemen. Mr. Ashcroft spielt eine "mutated version". Die ist aber immer noch enorm. Große Songs bleiben groß. Auch wenn sie mit Gitarre am Lagerfeuer gespielt werden.
Zwei Stunden lang gibt die Band und Mr. Ashcroft durchaus ihr Bestes. Schade, daß der Sound alles etwas runterzieht. Die Songs brauchen klare Klänge und eine sehr genaue Aussteuerung. Ein neues Album sei in Arbeit, komme vielleicht nach der Tour. Sagt er vor den Zugaben. Und es könnte möglich sein, daß in einigen Monaten viele Leute sagen würde, daß sie hier gewesen WÄREN. Selbstvertrauen ist immer gut. Es sei ihm gegönnt. Denn seine Songs sind noch immer mit das Beste, was man zu hören bekommen kann.
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