
Wenn Richard Ashcroft auf der Bühne steht, scheint es logisch, dass jegliche Kritik an ihm abprallt. Selbst im Knien verströmt dieser Mann pures Selbstbewusstsein, überzeugt von den neuen Songs und stolz genug, auch alte Verve-Klassiker mit ins Programm zu nehmen. Wurde „Bittersweet Symphony“ auf der letzten Tour noch als etwas abstruse Big Beat-Version gespielt, gibt es Ashcroft’s größten Hit nun als finalen Höhepunkt originalgetreu, umso leidenschaftlicher und „dedicated to Live 8“.
Der Frannz-Club in der Kulturbrauerei ist so gut gefüllt wie wohl fast nie, wenn es Karten im regulären Verkauf gibt. Diesmal waren sie nur bei Radio Eins zu gewinnen und der Sender packte das Frannz bis zum letzten Platz voll. Als Richard Ashcroft gegen halb zehn mit kompletter Band plus Saxophonisten die Bühne betritt, kündet die Setlist auf dem Mischpult elf Songs an. „Lucky Man“, „Sonnet“ und „Bittersweet Symphony“ aus The Verve-Zeiten, zwei Songs von den Vorgängeralben und sechsmal neues Material. Ashcroft ist mit Leidenschaft dabei und auch dann nicht betrübt, wenn die alten Hits mal wieder den größten Applaus bekommen. Doch neue Stücke wie die Single „Break The Night With Colour“, das gebetsmühelenartige Mantra „Music Is Power“ oder das akustische “Sweet Brother Malcolm” nimmt das Publikum ebenso wohlwollend auf und wippt im luftigen Rhythmus.
Kurz vor der abschließenden Sinfonie singt Ashcroft geschmeidig tanzend den Song, der sein Musikverständnis wohl am deutlichsten vermittelt: „Sound Of Silence“. Die Welt – und mit ihr dieser Song – drehen sich ohne inne zu halten, ohne einen Gedanken an das zu verschwenden, was um sie herum passiert. Eins mit sich selbst. Bis in die Unendlichkeit... und noch viel weiter: „We are on a rock spinning silently.“
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