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Erland And The Carnival

Erland And The Carnival

 

26.04.10 - Bassy / Berlin

Interview:  Dirk

Foto: Pressefoto

 

 

 

Eines der besten Debütalben der letzten Zeit haben in diesem Jahr Erland And The Carnival veröffentlicht. Um Simon Tong (The Verve, Blur, Gorillaz, The Good The Bad And The Queen) formiert, treffen sie den Hörer mit melodieseligem, psychedelischem, 60s-infiziertem Folkpop mitten ins Herz. Dies gelingt durch eine Symbiose aus eigenen Songs und überarbeiteten, traditionellen Folkliedern, deren Beschwingheit und Virilität derart elektrisiert, dass sie in keinem Plattenschrank fehlen sollten. Grund genug also, Ihnen im kuscheligen Backstagebereich des zur Musik von Erland And The Carnival vorzüglich passenden Bassy Club einige Fragen zu stellen.

Soundmag: Wie kam es zur Gründung von Erland And The Carnival?

Erland Cooper: Ich habe David und Simon in einem Folkclub in London getroffen. Wir haben dann festgestellt, dass wir uns für dieselbe Art von Musik interessieren. Wir haben versucht, zusammen zu arbeiten. Und genau das haben wir getan.

Simon Tong: Erland hat mit David einige Aufnahmen für eine Compilation gemacht. Es ging um akustische Songs. Wir haben dann angefangen, Stücke zu schreiben, sie aufzunehmen und zu experimentieren.

Soundmag: Wie entstand die Idee, einen solch speziellen Sound zu kreieren?

David Nock: Er entstand organisch.

Simon: Am Anfang klang er akustisch und wurde dann immer elektrifizierter. Es ist ein Experimentierprozess.

Erland: Das ist das, was Kollaboration ausmacht. Man fängt irgendwo an und endet dann an einer bestimmten Stelle.

Soundmag: Es gab also kein bestimmtes Konzept.

Simon: Nein. Wir haben einfach Folksongs in die Moderne übertragen. Wir haben an alten Folksongs gearbeitet, die zuerst akustisch waren und dann immer energiegeladener wurden.

Erland: Der Sound wurde kraftvoller.

Soundmag: Euer Album besteht aus neuen Songs, Traditionals und...

David: Es ist eine Fusion, eine Art organischer Soundtrack. Wir leihen uns Melodien von hier und fügen Ideen aus Büchern und Dichtung dort hinzu. Dinge, die uns gefallen und die uns interessieren.

Soundmag: Und das ist nicht geplant?

David: Nein, es entsteht organisch. Wir spielen einfach mit Ideen. Aber es geschieht nicht vorsätzlich.

Soundmag: Aber das ist nicht der übliche Weg, den Bands beschreiten: An Traditionals zu arbeiten, Gedichte zu verwenden...

David: Es hat uns Spaß gemacht. Wir haben das genossen. Dinge zusammen zu genießen, lässt sie besser werden.

Simon: Wenn man einen alten Folksong nimmt, der zwei bis vierhundert Jahre überdauert hat, sind die Lyrics, die sie verwenden, gut.

Erland: In Großbritannien verhält es sich mit Folk traditionell so, dass man einen Folksong einem Publikum geradezu präsentiert. Wenn ein Folksinger einen Song vorträgt, sagt er, woher er das Lied hat: Das Stück ist auf dem und dem Album oder diese oder jene Person hat ihn mir vorgesungen. In gewisser Weise fängt das immer so an.

David: Es geht einfach um gute Geschichten. Eine Story zu erzählen.

Simon: Mit der Folk-Tradtion ist es in Deutschland sicher genauso, dass die Leute Folksongs lernen und sie dann weitergeben.

Soundmag: Das kann ich so nicht bestätigen. Es gibt sicherlich Traditionals. Aber in Großbritannien ist das sicher eine besondere Situation, die wir hier so nicht haben.

David: Bevor Musik aufgenommen wurde, ist sie auf diese Weise tradiert worden.

Erland: Jemand hat etwas gehört, was in Berlin passiert ist. Das ist dann bis nach Hannover gelangt und dort in einer ähnlichen Version angekommen. Die Geschichte war dann auf jeden Fall bedeutend genug.

David: Oder es ist in derselben Stadt etwas Vergleichbares passiert.

Erland: Genau.

Soundmag: Wie wählt Ihr eigentlich Eure Einflüsse aus? Ihr stolpert über etwas oder...

Simon: Indem wir einfach alte Bücher kaufen. Man kann alte Kollektionen von Folkbüchern erwerben, die man sich dann anschaut. Vielleicht haben wir eine schon Melodie und suchen dann die passenden Lyrics dazu.

Erland: Oder anders herum.

Soundmag: Eure Platte klingt sehr 60s-inspiriert und psychedelisch. Welche Bands aus dieser Zeit würdet Ihr als wichtigste Einflüsse geltend machen?

Simon: Joe Meek, der Produzent aus den frühen 60er Jahren. Eine Art Pre-Phil Spector. Er hatte eine Wohnung, in der er alles aufgenommen hat.

David: Den Drummer im Bad...

Simon: Er hatte Nr. 1-Hits, die sie im Schlafzimmer aufgenommen haben.

David: Wir versuchen herauszuarbeiten, worin sein Geheimnis bestand.

Simon: Aber er drehte durch und brachte seine Vermieterin um.

Erland: Wirklich? Ich wusste das gar nicht.

David: Ja, in derselben Wohnung.

Soundmag: Gibt es noch andere Künstler, die Ihr nennen würdet?

Simon: Pentangle, Love.

Soundmag: Wie seht Ihr Euch eigentlich: Ist Erland And The Carnival eine richtige Band oder nur ein Projekt?

Simon: Nein, nein. Es ist eine richtige Band.

Soundmag: Gerade Du Simon, hast Dich schon an unterschiedlichen Bands beteiligt. Denkst Du, dass Du in vier Jahren noch dabei sein wirst?

Simon: Auf jeden Fall.

Erland: Er ist bereits seit zwei Jahren Teil von uns.

Soundmag: Es ist bekannt, in welchen Bands Du schon gespielt hast. Was ich aber bis vor kurzem nicht wusste, ist, dass Du Mitglied von The Shining warst. Das hat mich wirklich überrascht.

Simon: Ja, das war eine seltsame Zeit. Aber wir arbeiten bereits am nächsten Erland And The Carnival-Album.

Soundmag: Ich muss Dir diese Frage einfach stellen: Ich habe Dich live mit Blur gesehen und hatte den Eindruck, dass Du Dich bewusst sehr zurückgenommen hast. War das so geplant, oder hat sich das ergeben?

Simon: Es ist einfach meine Art von Bühnenpräsenz. Die Blur-Sache war eigenartig. Wenn ich wie Graham Coxon herumgesprungen wäre, hätte das lächerlich gewirkt. Die anderen drei waren die richtigen Bandmitglieder. Ich habe nur den Gitarrenpart übernommen.

Erland: Aber er trippelt. (David lacht)

Soundmag: War es schwierig für Dich, der Gitarrist von Blur zu sein?

Simon: Nein.

Soundmag: Wie kommt es eigentlich, dass Ihr so optimistisch klingt. Schließlich habt ihr mit akustischen Folksongs angefangen?

Erland: Folkmusik wird zwar akustisch gespielt. Aber so muss es nicht sein.

Simon: Besonders in England spielen so viele Leute akustische Folksongs, dass es wirklich langweilig ist.

David: Sie sind nicht modern. Sie sind in der alten Art und Weise so lange gespielt worden. Und wir haben das geändert. Wir haben sie neu bearbeitet. Wir haben seit den akustischen Folksongs so viele Genres wie zum Beispiel Punk wahrgenommen. Wir leben jetzt. Wir befinden uns in der Neuzeit.

Soundmag: Euer Sound klingt für mich wie aus der Zeit gefallen. Es gibt für mich keine Band, die so klingt wie Ihr. Am ehesten fällt mir noch The Coral ein.

Simon: Naja.

David: Das ist witzig. Wir kennen sie nicht sehr gut. Aber das Thema ist nach der Veröffentlichung unseres Albums aufgekommen.

Soundmag: Was ist eigentlich Euer Plan? Wollt Ihr mit Erland & The Carnival groß werden?

Erland: Es macht sehr viel Spaß, vor großem Publikum zu spielen. Es stehen bald einige Festival-Shows spielen.

David: Aber gleichzeitig ist es unpersönlich, vor einer großen Menge von Leuten zu spielen. Im Paradiso in Amsterdam zu spielen war großartig. Die Venue ist toll.

Soundmag: Wie verlief die bisherige Tour in Deutschland?

Simon: Wir haben bis jetzt nur in Hannover gespielt.

Erland: Dort war das Publikum klasse. Sie haben unsere Art von Musik verstanden.

David: Das Cafe Glocksee ist ziemlich interessant.

Erland: Es war erstaunlich.

David: Dort herrscht eine gute Atmosphäre. Die Leute, die den Club leiten, machen das schon zwanzig, dreißig Jahre.

Soundmag: Simon, ist es schwierig für Dich in kleinen Locations aufzutreten, da Du schon in wesentlich größeren Hallen gespielt hast?

Simon: Ich habe auch schon in kleineren Clubs performt. Es ist schön, dort zu spielen. Und zudem ist Erland And The Carnival ein Langzeitprojekt, das wir aufbauen.

Soundmag: Ich habe gelesen, dass Du mit dem Produzenten Martin „Youth“ Glover das Label Butterfly Recordings gegründet hast, auf dem Ihr Folkbands veröffentlicht...

Simon: So habe ich Erland kennen gelernt. Er hat einen Song für eine Compilation aufgenommen.

Soundmag: Aber warum habt Ihr Euer Album nicht auf diesem Label veröffentlicht?

Simon: Wir hatten nicht genug Geld. (Erland lacht) Und dann hat sich Full Time Hobby bei uns gemeldet.

Simon: Ein Label zu führen und gleichzeitig unser Album darauf zu veröffentlichen, wäre zu stressig.

Soundmag: Ihr plant aber, weitere Bands zu veröffentlichen?

Simon: Im Moment nicht. Es kostet Geld. Es ist teuer.

David: Es kostet eine Menge Zeit und Energie. Full Time Hobby ist etabliert. Sie haben die Kontakte. Bei Ihnen laufen die Dinge schon. Wir können uns dadurch darauf konzentrieren, die Musik zu schreiben, sie zu spielen. Wir wollen uns vorwärts bewegen und sehen wie wir vorankommen.

Erland: Es ist ein großartiges Label.

Soundmag: Ich muss zugeben, dass ich vor Eurem Album noch nicht auf Full Time Hobby gestoßen bin. Könnt Ihr mir noch andere Bands aus deren Rooster nennen?

Simon: White Denim, Tunng, The Leisure Society, Micah P. Hinson...

Soundmag: Dann sollte ich es eigentlich kennen...

Simon: Aber ich denke, sie sind nur in England aktiv und lassen in Europa durch jemand anderen veröffentlichen. Ich bin mir nicht sicher.

Soundmag: Simon, Ihr habt das Album in Damon Albarns Studio 13 aufgenommen. Liegt es daran, dass Ihr Freunde seid? Oder war es Zufall?

Simon: Es war zu einem sehr günstigen Preis zu haben.

David: Es ist ein großartiges Studio. Es gibt so viele interessante Details. Es sind Keyboards und viel Platz zum Aufnehmen vorhanden. Man findet gutes Equipment vor.

Soundmag: Es ist also nicht Damons kleines Privatstudio...

David: Nein.

Simon: Er vermietet es richtig.

David: Es ist ein fantastisches Studio.

Soundmag: Simon, über die Ziele von Erland And The Carnival hast Du Folgendes formuliert: „There is a 1930’s book called The Circus of Dr Lao where a wild, fantastical travelling circus comes to a fictional small American mid west town causing social chaos and upsetting the usual way of life of the towns inhabitants, then eventually it leaves and moves on with the town in tatters.” (großes Gelächter)

Erland: Wir versuchen es! (lacht)

Soundmag: Was können wir dann heute Abend erwarten?

David: Wir versuchen gewissermaßen, jeden in diesen Prozess zu involvieren.

Soundmag: Ich werde das nachher genau beobachten. Vielen Dank für das Interview!







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www.erlandandthecarnival.com/

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